Agrarchemie

Keine Lust mehr auf Alleingang Syngenta sucht eine Braut

Stand: 23.12.2015, 09:09 Uhr

Der Schweizer Agrarchemie-Konzern fühlt sich alleine zu schwach. Wegen des zunehmenden Konsolidierungsdrucks in der Branche will Syngenta mit einem Konkurrenten fusionieren oder sich übernehmen lassen. Das freut die Börse.

Noch im Sommer hatte Syngenta mehrere Übernahmeversuche von Monsanto abgeblockt. Doch nun scheint die Widerstandskraft der Schweizer gebrochen. "Entsprechend dem, was die Aktionäre in Bezug auf die nächsten zwölf Monate erwarten, ist ein Alleingang kaum möglich", sagte Verwaltungsratspräsident Michel Demaré der Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft".

Es gibt drei Optionen

Denn die (Agrar-)Chemieindustrie stecke in einer Konsolidierung. "Wenn sich unsere Konkurrenten zusammenschließen und wir außen vor bleiben, dann steigt der Druck auf uns", räumte Demaré ein. Daher müsse Syngenta alle Optionen prüfen. Denkbar seien die Fusion mit einem Konkurrenten, ein Verkauf oder ein Zukauf. Am unwahrscheinlichsten ist offenbar, dass Syngenta selbst aktiv wird und einen Rivalen schluckt. Da bestünden nur noch wenige Möglichkeiten.

Zwar liege derzeit keine aktuelle Offerte auf dem Tisch, aber man befinde sich in fortgeschrittenen, formellen und intensiven Verhandlungen. Demaré: "Die Dinge bewegen sich, es kann jederzeit etwas passieren." Es gebe Gespräche mit Monsanto, der chinesischen China National Chemical Corp und weiteren Anbietern.

Fusion mit ChemChina nicht unmöglich

Selbst eine Fusion mit den Chinesen hält Demaré für möglich. Es gebe schon recht signifikantes Potenzial, meinte er. "China braucht Ernährungssicherheit und die Technologie, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen." Das Land müsse international investieren und dazu strategische Partner finden. "Wir betrachten ChemChina mit gleicher Seriosität wie Monsanto, Bayer oder BASF", sagte Demaré.

Laut dem Verwaltungsratspräsidenten liege ein Übernahmeangebot von 470 Franken näher an seinen Vorstellungen als die von Monsanto offerierten 449 Franken. "Ein Offertpreis muss an einem Kurs unserer Aktie ohne latente Übernahmefantasie gemessen werden", erklärte der 59-jährige Belgier.

2016 wird erneut schwierig

Den Aktionären machte Demaré indes wenig Hoffnung auf ein gutes neues Jahr. 2016 werde erneut schwierig, "weil die Rohwarenpreise niedrig sind und die Bauern wenig investieren". Die Margenziele 2018 seien aber weiter gültig.

Die Äußerungen von Demaré heizen die Übernahmefantasie um Syngenta an. In New York zogen die Titel des Schweizer Agrarchemiekonzerns um drei Prozent zu.

Die Branche ist derzeit in Bewegung. Vor kurzem kündigten Dow Chemical und Dupont die größte Chemiefusion aller Zeiten an. Damit entsteht auch in der Agrarchemie ein neuer Riese.

nb