Swatch-CEO Nick Hayek

Gewinneinbruch im ersten Halbjahr Tickt Swatch noch richtig?

Stand: 17.07.2019, 10:57 Uhr

Der Kampf gegen die Graumarkthändler kommt Swatch teuer zu stehen: Im ersten Halbjahr sanken Umsatz und Gewinn. Doch für das zweite Halbjahr verspricht der weltgrößte Uhrenhersteller wieder bessere Zahlen. Die Anleger schöpfen Hoffnung.

Die Aktie von Swatch springt an der Züricher Börse am Mittwochvormittag um fünf Prozent in die Höhe. Damit setzt sich der Erholungskurs der letzten Wochen fort. Auf Ein-Jahres-Sicht liegt der Titel aber immer noch tief im Minus. Seit Juli 2018 ist der Aktienkurs um über ein Drittel eingebrochen und rutschte zeitweise auf den tiefsten Stand seit Mitte 2016.

Deutsche Anleger können die Aktie wegen eines Konflikts zwischen der EU und der Schweiz derzeit nur per Direkt-Trading über ihren Depotbanken angeschlossene Broker oder an der Schweizer Börse handeln.

"Starkes Wachstum" in der zweiten Jahreshälfte

Der Schweizer Uhrenhersteller hat einen vielversprechenden Ausblick geliefert. Für die zweite Jahreshälfte rechnet Swatch mit einem "starken Wachstum" und einer guten Nachfrage in den wichtigsten Märkten. Mitte März hatte das Unternehmen aus Biel in der Westschweiz ein "gesundes Wachstum" für 2019 in Aussicht gestellt, ohne konkreter zu werden.

Davon ist Swatch momentan weit entfernt. In den ersten sechs Monaten sackte der Gewinn um gut elf Prozent auf 415 Millionen Franken ab. Das Betriebsergebnis (Ebit) ging gar um 13 Prozent zurück. Der Umsatz fiel um vier Prozent auf 4,08 Milliarden Franken.

Als Grund für den Gewinn- und Umsatzschwund nannte der weltgrößte Uhrenhersteller mit Marken wie Omega, Breguet und Tissot das Vorgehen gegen Graumarkthändler. Das habe kurzfristig den Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe belastet. Langfristig werde es aber zu positiven Effekten führen.

Wie stark bremsen Hongkong-Proteste das Geschäft?

Wie stark die Proteste in Hongkong das Geschäft von Swatch beeinträchtigt haben, ließen die Schweizer offen. Hongkong gilt als beliebte Destination für reiche Chinesen, die während ihrer Ferien dort gerne Luxusgüter einkaufen. Es wird befürchtet, dass die chinesischen Luxustouristen Hongkong jetzt meiden. Das wäre hart für Swatch, da der Konzern in Hongkong laut Daten von UBS und Bloomberg gut zehn Prozent seines Gesamtumsatzes in der ehemaligen britischen Kronkolonie erwirtschaftet.

Zuletzt bremste vor allem im vierten Quartal 2018 der chinesisch-amerikanische Handelsstreit das Uhren-Exportgeschäft. Außerdem litten Swatch & Co unter den "Gelbwesten"-Protesten in Paris, wo die Läden des Uhrenkonzerns auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées an mehreren Samstagen geschlossen waren. "Wenn wir gelbe Westen herstellen würden, hätten wir mehr Umsatz gemacht", kommentierte Vorstandschef Nick Hayek mit seinem gewohnten Sarkasmus die Vorgänge auf der Bilanzpressekonferenz Mitte März.

"China ist kein Risiko!"

Die Abhängigkeit von China nimmt Hayek gelassen hin. "China ist nie ein Risiko, nur eine Chance", betonte der Swatch-Chef. Der Konzern sei dort Marktführer in allen Segmenten und profitiere von der Lust der Chinesen auf Innovationen.

Ende Februar blamierte sich Swatch ausgerechnet da, wo die Marke am zuverlässigsten ist: bei der Zeitmessung eines Skirennens. Während der Damen-Abfahrt im schweizerischen Crans-Montana funktionierte die elektronische Zeitmessung bei mehreren Rennläuferinnen nicht mehr. Es musste auf handgestoppte Zeiten ausgewichen werden. Das Boulevard-Blatt "Blick" sprach vom "Image-Gau für die Marke Swatch". Hayek sieht die Schuld auf Seiten der Tochtergesellschaft Swiss Timing.

nb