MDax Superstar

Neues Rekordhoch Superstar MDax - warum er dem Dax die Schau stiehlt

Stand: 27.12.2019, 12:00 Uhr

Der Nebenwerte-Index hat geschafft, was seinem großen Bruder Dax in diesem Jahr noch nicht vergönnt war: ein neues Rekordhoch. Auch mit Blick auf die seit Jahresbeginn angelaufenen Kursgewinne ist der MDax die Nummer Eins. Doch woran liegt das?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
13.526,13
Differenz relativ
+0,72%

Weltweit befinden sich die Börsen auf Rekordjagd. In Deutschland schauen die Anleger naturgemäß zunächst auf den Leitindex Dax mit seinen 30 Schwergewichten. Das Allzeithoch von 13.596 Punkten scheint zwar in greifbarer Nähe. Der Mittelwerteindex MDax mit Unternehmen aus der zweiten Reihe ist aber einen Schritt voraus. Er knüpfte Anfang dieser Woche an seinen starken Lauf an und erklomm ein neues Rekordhoch.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
28.669,65
Differenz relativ
+0,70%

Mit einem Plus von 30 Prozent hat der MDax 2019 klar die Nase vorn. Der Dax kommt auf "nur" 25 Prozent. Und das Jahr ist kein Einzelfall, denn dahinter steckt System. Auch in der Fünf-, Zehn- oder 20-Jahresperspektive weist der MDax stets die bessere Performance aus.

Beeindruckende Kursentwicklung

Auf Sicht von fünf Jahren hängen die Nebenwerte die Großkonzerne deutlich ab. Etwa 70 Prozent gewannen sie an Wert, die Standardwerte kamen nur auf auf ein Plus von etwa 35 Prozent. Noch beeindruckender ist ein Blick auf den Zehn-Jahres-Chart: Der MDax ist um stolze 280 Prozent gestiegen, der Dax "nur" um etwas mehr als 120 Prozent und damit weniger als halb so stark.

MDax vs. Dax im Zehnjahresvergleich

MDax vs. Dax.

Nach Angaben der DZ Bank verzeichnet der MDax seit seiner Auflegung im Jahr 1996 eine durchschnittliche jährliche Kursentwicklung von 11,3 Prozent. Damit stellt er den Dax, bei dem der Wert 8,8 Prozent beträgt, deutlich in den Schatten. Beim SDax sind es nur 8,1 Prozent und beim TecDax lediglich 3,3 Prozent.

Stars aus der zweiten Reihe

Anders als der Dax bildet der MDax eine Vielzahl von Branchen ab. Experten verweisen darauf, dass sich im MDax viele (heimliche) Nischen-Weltmarktführer tummeln wie der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr für die Automobilindustrie. Aufgrund ihrer geringeren Größe können sie flexibler auf konjunkturellen Gegenwind reagieren und sich schneller an äußere Bedingungen anpassen als die Dickschiffe im Dax.

Ein Viertel der MDax-Unternehmen sind Industrie- und Immobilienunternehmen, die stärker auf die heimische Wirtschaft ausgerichtet sind. Die Mitglieder im Dax - vor allem Finanz-, IT-, Automobil- und Chemiekonzerne - müssen verstärkter auf internationale Entwicklungen achten. Und auch wenn das Wachstum in der deutschen Wirtschaft nachgelassen hat, allmählich prognostizieren Ökonomen eine Überwindung der aktuellen Schwächephase.

Viele MDax-Konzerne können natürlich auch mit der Profitabilität der Unternehmen im Dax mithalten, denn Größe allein ist nicht alles. Hinzu kommt, dass sich die meisten MDax-Mitglieder in einer anderen Phase des Unternehmenszyklus befinden. Sie wachsen schneller und haben eher die Chance, noch neue Geschäftsfelder oder Märkte gewinnen. Aufgrund ihres vergleichsweise geringeren Börsenwerts geraten die Firmen zudem auch häufiger in Übernahmespekulationen, was den Kurs an der Börse klettern lässt. Das alles haben die Dax-Konzerne meist schon hinter sich. Kurssprünge sind dort eher selten.

Hohe Fluktuation

Im MDax gibt es ferner häufiger Index-Änderungen als beim großen Bruder. Dadurch kommen modernere, wachstumsstärkere sowie spezialisiertere Unternehmen auf die Bühne - oder treten wieder ab. "MDax und SDax sind ausgewogener besetzt. In der Summe haben wir hier sogar einen besseren Branchenmix als im Dax", sagt auch Christoph Ohm von der DWS.

Neben Defensivkünstlern für turbulente Börsenphasen sind ebenso wachstumsstarke Unternehmen aus zyklischen Feldern enthalten. Auch die Indexänderung von 2018, wodurch die zweite Börsenliga um zehn Mitglieder erweitert wurde, hilft.

Newcomer mit Erfolgen

Die Erfolgsgeschichte des MDax wird wohl auch in naher Zukunft nicht abbrechen. Vor der Weihnachtspause haben besonders die Aktien von Teamviewer und Delivery Hero noch einmal neue Bestmarken erreicht. Die Papiere des Herstellers von Software zur Computer-Fernwartung und für Videokonferenzen gewannen an ihrem ersten Tag nach der MDax-Aufnahme 3,6 Prozent und die Anteile des Essenslieferanten kletterten um 2,5 Prozent.

Delivery Hero sind mit einem Kursgewinn von 117 Prozent zweitbester Wert im Index mittelgroßer Werte im Jahr 2019. Ein besseres Ergebnis erzielten nur Varta, die am Montag ebenfalls erstmals im MDax gehandelt wurden. Sie konnten sich bis Anfang des Monats mehr als verfünffachen, litten zuletzt aber unter Gewinnmitnahmen. Teamviewer sind erst Ende September an die Börse gegangen und gewannen seither rund 20 Prozent.

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Das sind die Überflieger aus der zweiten Reihe Die fünf größten Gewinner im MDax

Varta Microbattery-Schriftzug und -Logo

Varta
Mit Haushaltsbatterien wurde der Konzern aus dem baden-württembergischen Ellwangen bekannt. Heute setzt Varta auf Mikrobatterien - vor allem für Kopfhörer von Smartphones. Auch bei Hörgeräte-Batterien ist das Unternehmen Technologie- und Weltmarktführer. Die Nachfrage ist hoch. Deswegen hat Varta im vergangenen Jahr drei Mal die Prognose angehoben.

tb