Fabrik der Südzucker AG in Ochsenfurt spiegelt sich im Main

Exportverdoppler möglich? Südzucker bläst zum Angriff

Stand: 18.09.2017, 08:54 Uhr

Der MDax-Konzern macht vor dem Wegfall der EU-Zuckerverordnung auf Optimismus. Die Exporte auf den Weltmarkt will Südzucker mittelfrstig verdoppeln - mindestens. Die Aktie reagiert am Morgen schon einmal positiv.

Im vorbörslichen Handel wird die Aktie des MDax-Unternehmens fast drei Prozent höher gehandelt als zum Freitagsschluss. Charttechnisch versierte Analysten weisen auf einen Widerstand des Titels bei 18,50 Euro hin, der zuletzt mehrmals angelaufen wurde. Im bisherigen Jahresverlauf war die Südzucker-Aktie mit einem Minus von 21 Prozent eine der schwächsten im Index.

Verordneter Wettbewerb

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,67
Differenz relativ
-1,78%

Das hat durchaus Gründe, die im engen Zusammenhang mit dem Wegfall der EU-Zuckerverordnung Ende September stehen. Sie hat fast fünf Jahrzehnte lang Produktionsquoten und Mindestpreise für Zuckerrüben reguliert und den Herstellern damit Planungssicherheit gegeben. Künftig müssen sich die europäischen Anbieter dem weltweiten Wettbewerb stellen. Zuckerrübenbauern dürfen pflanzen, so viel sie wollen und können. Bei den Zuckerpreisen dürfte dies zunächst tendenziell für Rückgänge sorgen.

Viele Hersteller dürften auf diese Aussichten mit einem Ankurbeln der Produktion reagieren - und das plant offenbar auch der deutsche Marktführer in Sachen Zucker: Gegenüber "Börse Online" sagte Vorstandschef Wolfgang Heer: "Im Vergleich zum Vorjahr wollen wir unsere Exporte auf den Weltmarkt verdoppeln oder verdreifachen, das könnten dann schon 800.000 Tonnen Zucker sein." Zielregionen seien dabei vor allem Afrika und Asien.

Südzucker hat nach eigenen Angaben bereits seine Anbauflächen erhöht. Zudem wurden Niederlassungen auch außerhalb der EU gegründet. Vertrieb und Logistik hat man ganz auf den weltweiten Export eingestellt.

Letzte Quartalszahlen durchaus ansprechend

Im vorletzten Quartal (März bis Ende Mai) vor dem Wegfall der EU-Verordnung hatte das Unternehmen seine Erlöse noch um fast elf Prozent auf 1,783 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn im laufenden Geschäft legte sogar um fast 40 Prozent auf 153 Millionen Euro zu, mehr als erwartet. Dank höherer Zuckerpreisen konnte Südzucker sein Betriebsergebnis sogar fast verdreifachen.

Der MDax-Konzern profitierte zudem von guten Geschäften der Tochter Cropenergies mit ihren Biokraftstoffen. Die Tochter steigerte ihre Erlöse sogar um 38 Prozent auf 231 Millionen Euro. Hauptgrund für das Wachstum waren die deutlich gesteigerten Absatzmengen an Bioethanol sowie an Lebens- und Futtermitteln.

Ob der kurzzeitig angezogene Kurs der Südzucker-Aktie gerechtfertigt ist, ob der Titel inzwischen sogar "billig" ist, das dürfte sich freilich erst zeigen, wenn erste Geschäftszahlen nach dem Wegfall der Preisstütze vorliegen.

AB