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"Harvey", "Irma" & Co Stürme treffen Allianz - nur ein bisschen

Stand: 10.11.2017, 08:45 Uhr

Auch der Versicherungskonzern Allianz ist von den Stürmen und Erdbeben in diesem Sommer getroffen worden, allerdings weniger stark als befürchtet. Das stimmt die Konzernführung zuversichtlich.

Die Schadensbilanz aus den Naturkatastrophen dieses Sommers beläuft sich nach Allianz-Angaben auf 529 Millionen Euro. Dadurch sank das operative Ergebnis des Münchner Konzerns auf 2,5 Milliarden Euro, nach 3,0 Milliarden im dritten Quartal des Vorjahres. Damit fällt die Belastung niedriger aus als erwartet. Auch beim Rückgang des auf Anteilseigner entfallenden Überschusses um 17,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zurück, waren Analysten pessimistischer.

"Angesichts der massiven Naturkatastrophen, die sich auf unser Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft auswirkten, haben sich die Ergebnisse des dritten Quartals robust gezeigt", zeigte sich Vorstandschef Oliver Bäte zufrieden. Allerdings musste die Allianz in allen Sparten Rückgänge hinnehmen.

Jahresprognose leicht angehoben

Die katastrophengeplagte Schaden-Unfall-Sparte warf 28 Prozent weniger operatives Ergebnis ab als im Vorjahreszeitraum. Im Gegensatz zu den großen Rückversicherern wie Münchener Rück und Hannover Rück reichten die Prämieneinnahmen bei der Allianz jedoch aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote blieb mit 96,9 Prozent noch merklich unter der kritischen 100-Prozent-Marke.

Das macht den Konzern auch mit Blick auf das Gesamtjahr zuversichtlicher. Das operative Ergebnis werde zwischen 10,8 und 11,3 (2016: 11,1) Milliarden Euro liegen, legte sich die Allianz fest. Bisher hatte sie auch einen Ergebnisrückgang bis auf 10,3 Milliarden Euro nicht ausgeschlossen.

Analysten hatten ihr zuletzt im Schnitt 11,3 Milliarden zugetraut. Nach neun Monaten hat der Versicherungsriese schon 8,3 Milliarden Euro erreicht, gut drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn stieg um fünf Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

Nettozuflüsse bei Pimco

Operativ lief es im dritten Quartal in der Lebensversicherung und in der Vermögensverwaltung am besten. Die neuen, weniger kapitalfressenden Lebensversicherungen trieben den Umsatz und die Margen nach oben. Das Asset Management mit dem US-Vermögensverwalter Pimco und der kleineren Allianz Global Investors verzeichnete das fünfte Quartal hintereinander Netto-Mittelzuflüsse: Diesmal waren es 32 Milliarden Euro, seit Anfang des Jahres flossen der Allianz 106 Milliarden zu. Insgesamt stieg der Umsatz von Juli bis September um um 2,1 Prozent auf 28,3 Milliarden Euro. Dass der Gewinn dennoch sank, erklärte das Management mit geringeren Erfolgsprovisionen und ungünstigen Währungskursen.

Neues Aktienrückkaufprogramm

Vom überschüssigen Kapital will die Allianz weitere zwei Milliarden Euro an die Aktionäre weitergeben. Das zweite Aktienrückkaufprogramm in der Geschichte des Konzerns soll Anfang 2018 starten und in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 durchgeführt werden. Der Konzern wird die gekauften Aktien einziehen. Seit Februar hat die Allianz bereits Aktien für fast drei Milliarden Euro zurückgekauft.

Dabei hatte Vorstandschef Oliver Bäte eigentlich erkennen lassen, dass er für das Geld lieber Unternehmen kaufen würde. Später fügte er aber hinzu, die Allianz könne sich beides zugleich leisten - Zukäufe und Aktienrückkäufe. Einzige Voraussetzung für das neue Programm ist eine ausreichende Kapitaldecke (Solvabilitätsquote) von 160 Prozent. Ende September lag die Allianz mit 227 Prozent deutlich darüber.

Am Aktienmarkt halten sich die Reaktionen in Grenzen. Im vorbörslichen Handel auf Tradegate legt die Allianz-Aktie 0,25 Prozent zu. Allerdings hat die Aktie in den letzten sechs Monaten gut 17 Prozent gestiegen. Die Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Allianz nach den Quartalszahlen und der Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms auf "Buy" mit einem Kursziel von 217 Euro belassen. Beides untermauerten die Reputation der Allianz, ein gut geführter Versicherer mit einer starken Kapitalausstattung zu sein

lg