VW ID.3

Studie von Boston Consulting Bis 2030 mehr E- und Hybridautos als Verbrenner

Stand: 15.01.2020, 09:10 Uhr

Dank drastisch sinkender Batteriepreise dürften bis 2030 mehr Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft werden als Verbrenner, prognostizieren die Unternehmensberater von Boston Consulting. Doch ohne staatliche Hilfe wird es nicht gehen, sagt die Autoindustrie.

Der Studie von Boston Consulting zufolge werden in zehn Jahren mehr als die Hälfte der weltweit verkauften Neufahrzeuge batteriebetriebene Wagen oder Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben sein. Damit wird der Marktanteil von Verbrennungsmotoren bei Neufahrzeugen von heute 96 Prozent auf knapp 50 Prozent schrumpfen.

Bis 2025 dürfte der Verbrennungsmotor allerdings der dominierende Antrieb bleiben, weil die Kosten für Elektrofahrzeuge nur langsam sinken und die Autoindustrie die Einhaltung der verschärften Emissionswerte mit Verbesserungen der konventionellen Antriebe sicherstellen können.

Batterien werden billiger

Doch ab Mitte des Jahrzehnts, so die Prognosen der BCG-Experten, dürften sinkende Batteriekosten und strengere Abgasvorschriften für eine steigende Kundennachfrage sorgen. gehen die Fachleute davon aus, dass der Preis zur Herstellung von Batterien zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen wird.

So seien die Batteriekosten pro Kilowattstunde (KWh) seit 2009 bereits von 700 Dollar je KWh auf 150 bis 175 Dollar pro KWh gesunken. Bis 2030 werde ein weiterer Kostenrückgang auf 70 bis 90 Dollar je KWh erwartet. Der globale Marktanteil von reinen Elektrofahrzeugen dürfte sich dadurch mehr als verdoppeln – von sechs Prozent im Jahr 2025 auf 14 Prozent in 2030.

Unterschiede von Region zu Region

Der Anteil von Fahrzeugen mit Elektromotoren werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die BCG-Experten. So werde in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes Vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werden, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde.

In den USA dürften dagegen wegen der höheren Zahl gefahrener Kilometer die Benziner dann noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.

VDA fordert Milliardenhilfe

ElringKlinger AG-Chef Dr. Stefan Wolf

ElringKlinger-Chef Dr. Stefan Wolf. | Bildquelle: Unternehmen

Um dieses Ziel zu erreichen, fordert der Verband der deutschen Autoindustrie, VDA, Milliarden an staatlicher Unterstützung. "Wir reden über zehn bis zwanzig Milliarden,"sagte VDA-Vorstand Stefan Wolf am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Diese müssten in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und der regenerativen Energien fließen, damit die Nachfrage nach E-Autos steige, sowie in die Förderung neuer Technologien wie etwa Wasserstoff. "Die Bundesregierung muss sich darüber klarwerden, ob sie zu diesem wichtigen Industriezweig steht und ob sie den weiter unterstützen möchte und ob sie weiter will, dass wir die Nummer eins bleiben in der Automobilindustrie", sagte Wolf, der auch Vorstandschef des Zulieferers ElringKlinger ist.

Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr

Der Hauptgegner der deutschen Konzerne sei China, wo der Staat kräftig investiere, um die Autobranche an die Weltspitze zu führen. "Dagegen müssen wir ankämpfen." Am Nachmittag treffen sich Branchen- und Regierungsvertreter im Kanzleramt zu einem sogenannten "kleinen Autogipfel", um über die Beschäftigungssicherung in der Branche zu sprechen.

Der VDA rechnet damit, dass allein im Zuge des Umstiegs auf Elektroautos im Bereich des Antriebsstrangs bis 2030 zwischen 80.000 und 90.000 Stellen in der Branche wegfallen könnten.

lg