Logos von Deutsche Bank und Commerzbank an Hochhausfassaden
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Analystin spekuliert über Kaufpreis Wird die Commerzbank-Übernahme wahrscheinlicher?

Stand: 19.09.2018, 11:58 Uhr

Wo Rauch ist, ist auch Feuer, denken sich am Mittwoch einige Anleger. Die Commerzbank-Aktie steigt im Dax, weil ein Analysehaus schon einmal eine Übernahme durch die Deutsche Bank durchspielt. Über den Kaufpreis wird munter spekuliert.

Anke Reingen, Bankenexpertin des Analysehauses RBC, hält die Bankenehe unter der Führung der Deutschen Bank in einer aktuellen Studie für "wahrscheinlicher". Der Deal sei eine 50:50-Chance, so Reingen am Mittwoch.

So wahrscheinlich immerhin, dass sogar schon Gedankenspiele über mögliche Kaufpreise angestellt werden. Laut RBC könnte die Deutsche Bank 13 Euro je Commerzbank-Aktie aufrufen. Das wäre ein Aufschlag von etwas mehr als 40 Prozent im Vergleich zum aktuellen Kursniveau. Die Commerzbank so mit rund 16 Milliarden Euro bewertet werden. Die Deutsche Bank selbst ist an der Börse zurzeit gut 20 Milliarden Euro wert.

Synergien von 1,4 Milliarden möglich

Die RBC-Expertin Reingen hält bei einer Fusion Einsparungen von 2,1 Milliarden Euro für möglich. Dem stünden allerdings Einnahmeverluste von 700 Millionen Euro gegenüber, woraus sich jährlichen "Nettosynergien" von 1,4 Milliarden Euro ergeben würden.

Den gemeinsamen Wert der fusionierten Bank sieht sie um 15 Prozent höher als die beiden addierten Firmenwerte ohne die Fusion. Ohne eine schnelle Fusion sieht die Analystin die Commerzbank-Aktie bei 9,50 Euro, nur rund fünf Prozent über dem derzeitigen Kurs. Die Fusionsfantasie erlaube aber ein Kursziel von 11,00 Euro und die Einschätzung "outperform".

Was denkt die Regierung?

Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Institute haben in den vergangenen Wochen immer wieder Nahrung bekommen. Der "Spiegel" hatte erst vor einer Woche gemeldet, die Bundesregierung stehe einer Fusion der beiden Häuser offen gegenüber. Das Blatt berichtete ohne konkrete Quellenangabe, dass Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sich einen Zusammenschluss vorstellen könne. Keiner der Beteiligten wollte sich äußern.

An der Commerzbank ist der Bund noch immer mit 15,6 Prozent beteiligt. Laut Medienberichten würde man in Berlin bei einem Ausstieg zumindest 3,5 Milliarden Euro erzielen wollen. Derzeit ist die Beteiligung aber nur 1,75 Milliarden Euro wert. Um auf den gewünschten Betrag zu kommen, müsste die Aktie auf 18,00 Euro steigen. Oder aber der Übernahmepreis müsste in dieser Höhe angesiedelt sein.

Aktien auf Dauertalfahrt

Wegen der schlechten Ertragslage der beiden Institute, der dauernden Niedrigzinsphase und der Digitalisierung im Bankenmarkt wird seit Jahren immer wieder eine Fusion der beiden Kontrahenten angedacht. Die Aktien sowohl der Deutschen Bank als auch der Commerzbank sind seit langem auf Talfahrt. Der Wert der Deutschen Bank an der Börse sank alleine in diesem Jahr fast 38 Prozent, der der Commerzbank um rund 28 Prozent. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre, also seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der darauf folgenden Finanzkrise - summieren sich die Verluste auf 86 beziehungsweise 94 Prozent.

AB