Nachtaufnahme der Ströer-Unternehmenszentrale in Köln

Trotz guter Zahlen Ströer? Ist schon zu heiß gelaufen

Stand: 22.02.2018, 14:48 Uhr

Die Aktionäre von Ströer haben die Geschäftszahlen des Werbevermarkters für Gewinnmitnahmen genutzt. Dabei kann sich die Bilanz sehen lassen. Auch die Aussichten für das laufende Jahr übertreffen die Erwartungen.

Beim Betriebsergebnis (Ebitda) erwartet Ströer aufgrund neuer bilanzieller Regelungen (IFRS 16) im laufenden Jahr 535 Millionen Euro. Ohne die Umstellung würde die Kennziffer weiter bei den bereits angepeilten rund 370 Millionen Euro liegen. Die Umsatzprognose hob Ströer aufgrund von Zukäufen auf 1,6 Milliarden Euro an - bislang war das Unternehmen von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Im vergangenen Jahr hatte der MDax-Konzern auch durch Übernahmen den Umsatz um 18 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro gesteigert. Das organische Wachstum - ohne Zukäufe - habe dabei bei rund neun Prozent gelegen. Das Betriebsergebnis legte um 17 Prozent auf 331 Millionen Euro zu. Die endgültigen Zahlen sowie einen Dividendenvorschlag will Ströer am 27. März vorlegen.

Analysten sind weiterhin bullisch

Die meisten Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf. So hat der JPMorgan-Experte seine Einstufung auf "Overweight" belassen. Der Werbekonzern habe starke Kennziffern vorgelegt, die seine Erwartungen übertroffen hätten, schrieb Marcus Diebel. Auch die Commerzbank rät weiterhin zum Kauf der Aktie.

Einige Monate nach dem Einstieg in die telefonische Vermarktung - dem sogenannten Dialogmarketing - gilt Ströer bereits als Nummer zwei in diesem Segment hinter Arvato aus der Bertelsmann-Gruppe, erläutern die Marktbeobachter der Privatbank Hauck & Aufhäuser.

Ströer Werbegroßfläche in Frankfurt

Ströer Werbegroßfläche in Frankfurt. | Bildquelle: Unternehmen

Durch Zukäufe gewachsen

Ströer war schon in den vergangenen Jahren vor allem durch Zukäufe rasant gewachsen. Zuletzt erwarb das Unternehmen den Call Center-Dienstleister DV-COM und den Anbieter für digitalen Service, D+S 360.

Dass die Ströer-Aktie am Donnerstag dennoch um über fünf Prozent fällt, erklären Marktexperten wie Andreas Lipkow von der Comdirect Bank mit dem Kursanstieg der letzten Wochen. "Bei Ströer sind im Vorfeld der Zahlen bereits die Spekulationen ins Kraut geschossen. Die Erwartungshaltung konnte kaum mehr getoppt werden", erklärte er.

Seit den Attacken des Leerverkäufers Muddy Waters Ende 2016 hat sich der Wert des Papiers fast verdoppelt. Damals war die Ströer-Aktie bis auf 35 Euro gefallen.

lg