1/6

Stimmen zum Zinsschritt der Fed "Die Fed hat geliefert!"

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW:
"Die Fed hat einmal mehr geliefert, was die Mehrzahl der Marktbeobachter - das LBBW Research eingeschlossen - von ihr im Vorfeld erwartet hatten. Die US-Wirtschaft wächst zwar insgesamt weiterhin mit moderatem Tempo und der US-Arbeitsmarkt zeigt sich robust gegenüber Zeichen der Wachstumsverlangsamung in einigen Teilen der Wirtschaft. Zudem zog die US-Kerninflation jüngst etwas an, was in der Summe durch Anlass gegeben hätte, mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik abzuwarten. Dass die Währungshüter dennoch ihre zweite Leitzinssenkung in Serie beschlossen haben, zeigt, dass man die Gefahren "von außen" (Handelsstreit, Brexit, Konjunkturschwäche in Europa) derzeit höher gewichtet als die heimische Wirtschaftsstärke. Das Abstimmverhalten der Währungshüter mit insgesamt drei abweichenden Voten (zwei für unveränderte Zinsen, eine für eine Senkung um 50 Basispunkte) zeigt jedoch einen anhaltenden Dissens über den geldpolitischen Kurs."

Stimmen zum Zinsschritt der Fed "Die Fed hat geliefert!"

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW

Uwe Burkert, Chefvolkswirt der LBBW:
"Die Fed hat einmal mehr geliefert, was die Mehrzahl der Marktbeobachter - das LBBW Research eingeschlossen - von ihr im Vorfeld erwartet hatten. Die US-Wirtschaft wächst zwar insgesamt weiterhin mit moderatem Tempo und der US-Arbeitsmarkt zeigt sich robust gegenüber Zeichen der Wachstumsverlangsamung in einigen Teilen der Wirtschaft. Zudem zog die US-Kerninflation jüngst etwas an, was in der Summe durch Anlass gegeben hätte, mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik abzuwarten. Dass die Währungshüter dennoch ihre zweite Leitzinssenkung in Serie beschlossen haben, zeigt, dass man die Gefahren "von außen" (Handelsstreit, Brexit, Konjunkturschwäche in Europa) derzeit höher gewichtet als die heimische Wirtschaftsstärke. Das Abstimmverhalten der Währungshüter mit insgesamt drei abweichenden Voten (zwei für unveränderte Zinsen, eine für eine Senkung um 50 Basispunkte) zeigt jedoch einen anhaltenden Dissens über den geldpolitischen Kurs."

Friedrich Heinemann, ZEW

Friedrich Heinemann, ZEW:
"Anders als in Europa ist die Inflationsentwicklung nicht der wichtigste Grund für den neuen expansiven Kurs der Fed, sondern die deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Gründe dafür sind der Handelskonflikt mit China und das Ende des Strohfeuers der Trumpschen Steuerreform von 2018. Ironischerweise wird die vom US-Präsidenten viel geschmähte Fed mit ihren Bemühungen zur Belebung der US-Wirtschaft im kommenden Jahr nun zu seinem wichtigsten Wahlkampfhelfer. Aber wie in Europa gilt auch in den USA: Die Zentralbank kann den Schaden einer verantwortungslosen Wirtschaftspolitik nicht kompensieren. Die US-Ökonomie wird nicht durch weitere Zinssenkungen wieder auf die Beine kommen, sondern nur durch mehr Vernunft im Weißen Haus."

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank (Liechtenstein):
"Die Zinssenkung war keine Überraschung, sie war so von den Märkten erwartet worden. Interessant waren hingegen die heute ebenfalls veröffentlichten Projektionen der Fed-Offiziellen. Die Einschätzung für die volkswirtschaftlichen Kenngrößen wie Wachstum und Inflation wurden kaum bis gar nicht verändert. Um den weiteren kurzfristigen geldpolitischen Kurs scheint hingegen Uneinigkeit zu herrschen. Im Gegensatz hierzu zeigen sich die Währungshüter einig, dass die gegenwärtigen Zinssenkungen lediglich temporärer Natur sind. In den Jahren 2021 und 2022 liegt der Leitzins auf Basis der Median-Projektion bereits wieder höher. Fed-Präsident Jerome Powell sprach in diesem Zusammenhang bereits im Zuge der letzten Zinssenkung von einer Anpassung zur Mitte des Zyklus. Die Einschätzung der Fed-Offiziellen hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Leitzinses bestätigt also diese Sicht der Dinge. Aus diesem Blickwinkel kann das sogenannte Dot-Plot als "hawkish" aufgefasst werden. Donald Trump war beim Studieren der Notenbank-Projektionen wohl nicht erfreut. Verbale Angriffe aus dem Weißen Haus folgten noch während der Pressekonferenz."

Otmar Lang, Chef-Volkswirt der Targobank

Otmar Lang, Chef-Volkswirt der Targobank:
"Ob es sich beim jüngsten Zinsschritt nur um eine weitere Vorsichtsmaßnahme handelte oder ob die Fed tatsächlich einen längerfristigen Zinssenkungstrend verfolgt, ist unklar. Die Notenbanker scheinen sich in dieser Frage nicht einig zu sein. Aber dennoch funktionieren sie schon fast wie eine weisungsbefugte Abteilung des Weißen Hauses. Denn egal, was passiert – Trump sitzt gegenüber der Fed immer am längeren Hebel. Eskaliert der Zollkonflikt und senkt die Fed die Zinsen nicht weiter, kann der amerikanische Präsident die Schuld an der Rezession auf Jerome Powell schieben. Löst sich der Handelskrieg, verbessern sich auch die US-Konjunkturaussichten – und dann kann sich Trump für seine Wirtschaftspolitik feiern lassen."

Dr. Thorsten Polleit, Degussa Chefvolkswirt

Thorsten Polleit, Degussa Chefvolkswirt:
"US-Präsident Donald Trump macht weiter Druck auf die Fed, die Zinsen zu senken (das Jahr 2020 ist Wahljahr in den USA) – und die Fed gibt dem Druck nach. Bislang zeigt das Wachstum der US-Bankenkredite weiter nach oben – und deutet auf fortgesetztes Wirtschaftswachstum und Unterstützung für die Preise auf den Vermögensmärkten hin. Wir denken, die Fed wird die Zinsen in den kommenden Monaten bis auf etwa 1,0 Prozentpunkte absenken – weil Konjunktur und Finanzmärkte ohne niedrigere Zinsen nicht mehr auskommen. Die US-Zentralbank verleiht dem weltweiten Trend fallender Zinsen zusätzliche Dynamik – vor allem auch weil die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden Monaten ihren Einlagenzins vermutlich noch weiter unter die Nulllinie drücken wird."

Kapitalmarktanalyst Dr. Bastian Hepperle, Bankhaus Lampe

Bastian Hepperle, Analyst Bankhaus Lampe:
"Die Fed hat die nächste Leitzinssenkung geliefert. Deren Notwendigkeit ist höchst umstritten, selbst innerhalb der Notenbank. Denn die Binnenwirtschaft befindet sich weiterhin auf einem relativ robusten Wachstumspfad. In Zeiten erhöhter Unsicherheiten sind die neuen Leitzinsprojektionen des FOMC wenig hilfreich. Die Fed handelt situationsabhängig und wegen potenzieller Abwärtsrisiken für die Wirtschaft dürfte sie den Leitzins bis Jahresende mindestens noch einmal senken. Präsident Trump reicht das bei weitem nicht. Er fordert einen Leitzins von null und darunter. Er wird weiter heftige Attacken gegen die Fed reiten."