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Steinhoff

Stand: 02.05.2019, 15:47 Uhr

Wer hat’s aufgedeckt: Leerverkäufer

Montag, der 7. Dezember 2015 war ein bedeutender Tag an der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Tag, an dem Steinhoff, der zweitgrößte Möbelkonzern Europas, sein Börsen-Debüt feierte. Mehr als 100.000 Mitarbeiter weltweit und rund 13 Milliarden Euro Umsatz machten schon etwas her - ein wahrlich globales Unternehmen mit juristischem Sitz in Amsterdam, Börsennotierung in Frankfurt und Firmensitz in Südafrika.

Genauso ungewöhnlich war allerdings, dass sich Konzernchef Markus Jooste an einem solch wichtigen Tag nicht in Frankfurt blicken ließ. Er blieb in Südafrika - angeblich wegen Nackenschmerzen. Mindestens genauso ungewöhnlich war, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg drei Tage zuvor eine Razzia am deutschen Steinhoff-Sitz im niedersächsischen Westerstede durchgeführt hatte.

Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste

Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste. | Bildquelle: Steinhoff International

Das alles war ein schlechtes Omen für die Aktie, auch wenn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bis dato zu keiner Anklage geführt hatten.

Im Juni 2017 veröffentlicht der Londoner Hedgefonds Portsea Asset Management kaum bemerkt von der Öffentlichkeit einen sehr negativen Bericht über Steinhoff. Die Steinhoff-Aktie beginnt langsam und kaum merklich zu fallen.

Im August berichtet das "Manager Magazin", dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen Steinhoff-Vorstandschef Markus Jooste wegen des Verdachts der Bilanzfälschung ermittelt.

Im Spätherbst folgen die Leerverkäufer von Viceroy - dahinter steht der Brite Fraser Perring - die konkret die Bilanzen von Steinhoff anzweifeln. Jetzt nimmt die Öffentlichkeit Notiz.

Die Zweifel der Leerverkäufer bewahrheiten sich immer mehr. Anfang Dezember tritt Konzernchef Jooste zurück. Die Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte weigert sich, Steinhoffs Bilanz zu testieren. PricewaterhouseCoopers (PwC) wird daraufhin mit einer "unabhängigen Untersuchung" beauftragt. Die Geschäftsberichte für 2015 und 2016 werden zurückgezogen - fertig ist der vermutlich größte Bilanzskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. Elf Milliarden Euro in den Bilanzen waren offenbar nur erfunden.

Zu den Geschädigten gehören nicht nur Steinhoff-Aktionäre, sondern auch die EZB, die im Rahmen ihrer quantitativen Lockerung der Geldpolitik auch Steinhoff-Anleihen gekauft hatte.

ME