Möbelausstellung mit Steinhoff-Logo

Aktie steigt zweistellig Steinhoff: Zusammenbruch vorerst abgewendet

Stand: 29.08.2018, 17:36 Uhr

Der krisengeschüttelte Möbelhändler Steinhoff aus dem SDax verspricht eine baldige Aufarbeitung seines Bilanzskandals. Weitere Weichenstellungen sollen in den nächsten Tagen folgen. Die Anleger jubeln.

Die inzwischen in den SDax abgestiegene Aktie legte zur Wochenmitte um 26,3 Prozent zu. Steinhoff will in den kommenden beiden Tagen über einen Weg aus der Krise beraten. Es sollen Entscheidungen darüber gefällt werden, welche Unternehmensteile verkauft werden, erklärte Aufsichtsratschefin Heather Sonn. Ziel sei es, die Schulden zu senken und wieder Geld zu verdienen.

"Sie (die Banken) haben uns drei Jahre bis 2021 Zeit gegeben, in überlegter Weise zu entscheiden, welche Vermögenswerte wir verkaufen und wie wir die Schulden senken werden", erklärte Sonn. Ein wesentlicher Punkt sei, dass am Ende mit den verbliebenen Unternehmensteilen die Schulden bedient und ein Cashflow generiert werden kann.

Mehr als 40 Marken

Zu Steinhoff gehören mehr als 40 Marken, darunter Conforama, Mattress Firm und Poundland. Von der deutschen Billigmöbelkette Poco und den österreichischen Möbelhäusern Kika und Leiner hat sich Steinhoff schon getrennt. Pepco, eine Bekleidungs- und Schuhkette in Mittel- und Osteuropa, wird einem Insider zufolge als nächstes ins Schaufenster gestellt.

Steinhoff teilte zudem heute mit, dass die angeheuerten Wirtschaftsprüfer von PwC ihre Untersuchung bis Ende dieses Jahres "im Wesentlichen" abgeschlossen haben werden. Eventuelle Schuldige würden zur Verantwortung gezogen. Die verschobene Bilanzvorlage für das abgelaufene Geschäftsjahr soll ebenfalls bis Ende 2018 vorliegen, die geprüften Ergebnisse für die laufende Berichtsperiode sollen bis Januar 2019 folgen.

Gefahr des Zusammenbruchs abgewendet

Steinhoff-Manager waren am Morgen im südafrikanischen Parlament zu einer Anhörung geladen. Heather Sonn und Geschäftsführer Louis du Preez erklärten die Gefahr eines Zusammenbruchs des Unternehmens mit 120.000 Mitarbeitern für vorerst abgewendet, nachdem die Gläubiger einer dreijährigen Verlängerung der Kreditlaufzeiten zugestimmt haben.

Der Bilanzskandal bei dem Unternehmen hat mehr als zehn Milliarden Euro an Vermögenswerten gekostet und hatte auch personelle Konsequenzen. Unter anderem musste Konzernchef Markus Jooste gehen, und der frühere Großaktionär und Ex-Verwaltungsratschef Christo Wiese zog sich zurück. Mehr als 95 Prozent des Börsenwerts wurden jedoch vernichtet. Das Papier ist nunmehr ein Penny Stock und war zeitweise bis auf rund 7 Euro-Cent abgestürzt.

lg