Pocol-Laden in Bochum
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Heute Kursrakete, morgen Bruchlandung? Steinhoff völlig losgelöst

Stand: 02.01.2018, 13:26 Uhr

Wer gute Nerven hat und ausreichend Spielgeld, für den ist die Aktie des Poco-Mutterkonzerns Steinhoff natürlich genau das Richtige. Am Dienstag bietet der Aktienkurs ein beeindruckendes Schauspiel, das man aber am besten von der Seitenlinie genießen kann.

Die von einem Bilanzskandal durchgeschüttelten Aktien von Steinhoff haben heute in der Spitze um mehr als 22 Prozent auf knapp 39 Cent zugelegt. Allerdings konnten sie das Niveau nicht halten und sackten zeitweise fast wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Aktuell kostet der Pennystock knapp 34 Cent und liegt mehr als sechs Prozent im Plus.

Um die Kursbewegungen richtig einordnen zu können, hilft wie immer ein Blick auf den längerfristigen Chart. Beim Rekordtief von 0,248 Euro Ende Dezember mussten die Anleger für 2017 einen Verlust von rund 95 Prozent ihres Kapitals hinnehmen. Seit ihrem massiven Kurseinbruch unter 1,00 Euro Anfang Dezember sind Steinhoff als Pennystock im Grunde nur noch ein Spielball für Spekulanten.

Weitere Bilanzen betroffen

Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden

Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden. | Bildquelle: Poco

Denn die aktuellen Nachrichten sind keineswegs geeignet, das verlorene Vertrauen in das MDax-Unternehmen zurückzubringen: Auch die Bilanzen bestimmter Gesellschaften aus dem Jahr 2015 stehen jetzt auf dem Prüfstand und müssen angepasst werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Bisher waren bereits die Bilanzen des Mutterkonzerns zum Geschäftsjahr 2015/16 und zum Geschäftsjahr 2016/17 (jeweils Ende September) fraglich.

Grund sei unter anderem, dass die Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung auch das Eigentum bestimmter europäischer Töchter bis zum 1. April 2016 betreffe. Die Bilanzen von zwei Beteiligungsgesellschaften aus den Jahren 2015 und 2016 seien daher nicht mehr verlässlich, sie müssten geändert werden. Auch für die Jahre davor seien Korrekturen wahrscheinlich notwendig.

Wie es also wirklich um das Unternehmen steht, ist höchst unsicher, wie es weitergeht ungewiss. Wie das Management heute mitteilt, ist der Zeithorizont für den Abschluss der Bilanzprüfung weiter unklar.

Viel zu tun für Danie van der Merwe

Danie van der Merwe, CEO, Steinhoff

Danie van der Merwe. | Bildquelle: Unternehmen

Laut der bisherigen Bilanz 2016 steht Steinhoff mit über 16 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide. Die Ratingagentur Moody's hatte deshalb Ende des Jahres reagiert und Steinhoffs Bonität um drei Stufen auf "Caa1" gesenkt. Die Bonitätswächter prüfen zudem eine weitere Herabstufung. Der neue Vorstandschef Danie van der Merwe ringt derzeit mit Geldgebern um die weitere Finanzierung. Der ehemalige Chef Markus Jooste musste aufgrund des Bilanzskandals seinen Posten räumen.

ts