Steinhoff Möbel Lager
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Geht der Rest der PSG Group weg? Weitere Notverkäufe bei Steinhoff

Stand: 22.01.2018, 09:07 Uhr

So kommen ein paar Millionen in die Kasse des Möbelriesen Steinhoff: In seiner schweren Krise will der Ikea-Rivale seine Beteiligung an der PSG Group in Südafrika verkaufen. Vorausgesetzt der Preis stimmt. Das wirbelt die Aktie durch.

Der in einem Bilanzskandal steckende und schwer angeschlagene Möbelriese aus dem MDax will auch den restlichen Anteil an seiner in Südafrika notierten Investmentholding PSG Group verkaufen. Das gab Steinhoff am Montagmorgen bekannt. Die 29,5 Millionen Aktien sollen in einer beschleunigten Platzierung Investoren angeboten werden. Allerdings betont der Konzern, der hierzulande am Möbelhändler Poco beteiligt sind, man würde nur zu einem akzetablen Preis verkaufen.

Bereits im Dezember hatte Steinhoff 20,6 Millionen PSG-Aktien verkauft und so seinen Anteil an dem der Investmentgesellschaft von 25,5 Prozent auf 16 Prozent reduziert. Dadurch flossen dem Konzern rund 293 Millionen Euro zu.

Steinhoff steht seit Anfang Dezember erheblich unter Druck, seit wegen Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen ermittelt wird. Zahlreiche Führungskräfte mussten im Zuge des Skandals bereits gehen. In Deutschland laufen schon seit längerem Ermittlungen wegen möglicher Bilanzfälschungen gegen die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel hinter Ikea. Die

Anleger sorgen sich zunehmend um die Finanzkraft von Steinhoff, zumal das neue Management nicht sagen kann, wann eine aussagekräftige Bilanz vorliegt. Bedrohlich für den Konzern ist zudem: Banken ziehen ihre Kreditlinien zurück, Kreditversicherer kappen oder streichen die Deckungen - und dies bei einem Schuldenstand von rund elf Milliarden Euro. Das hat die Aktie, die ohnehin nur noch ein Penny Stock ist, in den letzten Wochen weiter unter Druck gebracht. Nur heute lassen sich Spekulanten wieder locken: Der Kurs legt zu Handelsbeginn zehn Prozent zu.

Auf Geldsuche

Steinhoff hatte zuletzt Verkäufe von Randbereichen angekündigt, die rund eine Milliarde Euro in die Kasse spülen sollen. Vor allem über den Verkauf der britischen Tochter Poundland wird spekuliert. Eine Reihe von Finanzinvestoren werden als Interessenten gehandelt, unter anderem Apax und KKR.

Katzenberger-Aufsteller in einem Poco-Laden

Poco - das deutsche "Gesicht" von Steinhoff. Die Ladenkette sieht sich von den Turbulenzen der Mutter aber nicht bedroht. | Bildquelle: Poco

Steinhoff versucht derzeit, für das wichtige europäische Geschäft eine Zwischenfinanzierung von 200 Millionen Euro zu erhalten. Eine erste Zahlung von 60 Millionen Euro sollte bis Ende der vergangenen Woche fließen, wie der Konzern mitteilte. Steinhoff bemühe sich weiter, Freigaben für die restliche Summe zu erhalten.

Darüber hinaus führe Steinhoff mit Geschäftsbanken und Investoren Gespräche über neue Geldmittel - bisher aber ohne Erfolg, wie es weiter hieß. Das Unternehmen hat sich in jüngster Zeit von Unternehmensteilen getrennt, um sich frisches Geld zu beschaffen. Diesen Weg will es weiter verfolgen.

Muss die Commerzbank Geld abschreiben?

Am 26. Januar will der Ikea-Rivale seine europäischen Geldgeber in London treffen. Mit einigen Gläubigern soll auch über ein Stillhalten gesprochen werden. Laut Medienberichten zählt auch die Commerzbank zu den Kreditgebern.

Die Frankfurter seien mit einem dreistelligen Millionenbetrag engagiert, berichtete das "Manager Magazin" am Donnerstag. Die Bank wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern, teilte aber mit, die Risikovorsorge müsse nicht aufgestockt werden.

Weiter dreht sich das Personalkarussel

Beim kriselnden Möbelhändler dreht sich unterdessen das Personalkarussel an der Konzernspitze weiter: Jayendra Naidoo zieht sich aus dem Aufsichtsrat des Konzerns zurück, um sich auf seine Aufgaben im Führungsgremium der börsennotierten Afrika-Tochter Star zu konzentrieren. Über einen Nachfolger werde zu gegebener Zeit entschieden, teilte Steinhoff ebenfalls am Donnerstag mit. Der Posten soll mit einem unabhängigen Mitglied besetzt werden; Kandidaten würden nun angesprochen.

bs