Steinhoff Möbel Lager

Gewinne mit Scheingeschäften Steinhoff: Bilanzfälschung im großen Stil

Stand: 18.03.2019, 15:00 Uhr

Eine Gruppe Topmanager hat beim Möbelkonzern Steinhoff über Jahre hinweg systematisch Scheingeschäfte generiert, um im großen Stil die Bilanz zu fälschen und aufzublähen. Das geht aus dem seit langem erwarteten Bericht der Buchprüfer von PwC hervor. Die Aktie bricht weiter ein.

Für die Aktionäre des in den SDax abgestiegenen Möbelhauses Steinhoff droht ihr Engagement zum Totalverlust zu werden. Am Montag verliert die Aktie über sieben Prozent auf nur noch 12 Cent.

Wie die Buchprüfer von PwC nun herausgefunden haben, haben Topmanager der Gruppe "jahrelang Transaktionen strukturiert und durchgeführt, die im Ergebnis die Profitabilität und den Wert von Aktiva über einen langen Zeitraum deutlich übertrieben haben". Die Manager hätten mit einigen Kollegen und firmenfremden Personen zusammengearbeitet, um die fragwürdigen Transaktionen zu arrangieren.

Anklage gegen früheren Firmenchef Jooste

Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste

Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste. | Bildquelle: Steinhoff International

Diese seien komplex gewesen, hätten viele Organisationen überspannt und seien auch durch Dokumente und juristische Akte belegt worden. Die Belege "wurden in vielen Fällen erst hinterher erschaffen und rückdatiert", hieß es weiter. Der Bericht nennt keine Verantwortlichen namentlich. Der frühere Firmenchef Markus Jooste habe nicht eingewilligt, mit PwC zu sprechen, heißt es in dem Bericht. Gegen Jooste ermittelt bereits die Justiz.

Der Steinhoff-Verwaltungsrat habe infolge der Erkenntnisse beschlossen, Klagen gegen "bestimmte Personen, die für die ungesetzlichen Vorgänge verantwortlich sind" vorzubereiten. Sie haben sich dem PwC-Bericht zufolge mit den Scheingeschäften womöglich selbst die Taschen gefüllt: Die Vertragspartner, mit denen Steinhoff die Transaktionen abgeschlossen habe, "scheinen eng verbunden oder werden sehr wahrscheinlich kontrolliert von den genannten Managern". Vor allem die Vorwürfe in dem Bericht gegen den genannten früheren Top-Manager wögen schwer.

Bereits 10,5 Milliarden Euro abgeschrieben

Pocol-Laden in Bochum

Poco-Laden in Bochum. | Bildquelle: Imago

Damit weckt der Fall Steinhoff Erinnerungen an Comroad. Der Hersteller von Telematikdiensten, ein großer Star am Neuen Markt, hatte einen Großteil seiner Umsätze frei erfunden. Im April 2002 wurde Firmengründer Bodo Schnabel deshalb verhaftet und später wegen Kursbetrugs, Insiderhandels und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Steinhoff hat bereits 10,5 Milliarden Euro auf die Firmenwerte des über Jahre zusammengekauften Imperiums aus Möbel- und anderen Einzelhändlern abgeschrieben. Seit das Bilanzloch Ende 2017 ruchbar wurde, kämpft der Konzern ums Überleben. Von den Möbelhaus-Ketten Poco in Deutschland und Kika/Leiner in Österreich hat sich Steinhoff im Zuge der Sanierung getrennt.

lg/rtr/dpa-AFX