Steinhoff Möbel Lager in Westerstede

Milliardenverlust Steinhoff-Aktie bricht abermals ein

Stand: 01.07.2020, 09:56 Uhr

Was die Aufarbeitung von Bilanzskandalen betrifft, ist Deutschland fast noch schwächer als bei deren Aufdeckung. Beim ehemaligen MDax-Konzern Steinhoff ist man damit jedenfalls noch nicht sehr weit. Zudem setzt dem Handelskonzern die Corona-Krise zu.

Für das vergangene Geschäftsjahr 2018/19 (bis Ende September) meldete Steinhoff am späten Dienstagabend im südafrikanischen Stellenbosch einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr war ein Fehlbetrag von 1,25 Milliarden Euro angefallen. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft nahm um fünf Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro zu.

Der kriselnde Handelskonzern war hierzulande vor allem durch die Möbelkette Poco bekannt. Seine Poco-Anteile hat er inzwischen an seinen Konkurrenten XXXLutz verkauft. Ein Bilanzskandal hatte Steinhoff zuvor schwer erschüttert. Mit den juristischen Nachwehen kämpft der Konzern bis heute, was unter anderem auch zu der verspäteten Vorlage der Jahreszahlen führte.

Die schon längst zum Pennystock verkommene Steinhoff-Aktie bricht im frühen Handel am Mittwoch erneut zeitweise zweistellig ein.

"Juristische Aufarbeitung im Vordergrund"

Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr zunächst die Finanzen neu aufgestellt hat, steht nun weiter die juristische Aufarbeitung im Vordergrund, wie Steinhoff mitteilte. Als dritten Schritt des Sanierungsprozesses soll der Konzern weiter umgebaut und sowohl Schulden als auch Finanzierungskosten gesenkt werden.

Einen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr gab Steinhoff wegen der Corona-Pandemie nicht. Die Bedingungen für den Handel seien jedoch weiter problematisch. Zwar gebe es die ersten Lockerungen in den Ländern, in denen Steinhoff tätig sei, jedoch variierten diese von Land zu Land. Dabei seien die Geschäfte besser angelaufen als erwartet und profitierten vom Nachholbedarf der Kunden. Insgesamt werde die Pandemie jedoch erhebliche negative Auswirkungen auf die Geschäftszahlen haben, hieß es. Die Barmittelposition des Unternehmens sei Anfang Juni dabei deutlich besser gewesen als zu Beginn der Pandemie prognostiziert, erläuterte Steinhoff.

dpa-AFX/la