Steinhoff Möbel Lager

1,1 Milliarden zu hoch ausgewiesen Steinhoff hat den Wert seiner Immobilien aufgebläht

Stand: 04.04.2018, 10:55 Uhr

Die fast wertlosen Aktien von Steinhoff sacken am Mittwoch weiter ab. Der Möbelkonzern hat neue Details zum Bilanzskandal enthüllt: Das europäische Immobilienportfolio wurde um rund eine Milliarde Euro zu hoch bewertet.

Wie Steinhoff am Dienstagabend einräumte, haben die 140 Läden, Büros und Grundstücke des Konzerns in Europa lediglich einen Wert von 1,1 Milliarden Euro. Das ermittelten die Gutachter von CBRE Limited. Ursprünglich hatte Steinhoff sein Immobilienportfolio, darunter vor allem die Läden der österreichischen Möbelkette Kika Leiner, doppelt so hoch mit 2,2 Milliarden Euro bewertet.

Der Wert der Immobilien wurde offenbar über Mieten, die sich Steinhoff-Gesellschaften untereinander bezahlten, künstlich aufgebläht. Außerdem wurden Leerstände nicht berücksichtigt.

Immobilien werden jetzt neu bewertet

Künftig fließen Leerstände sowie nur Mietverträge, die mit Außenstehenden geschlossen wurden, in die Bewertung der Immobilien ein. Die neu bewerteten Immobilien sind inzwischen bei der Steinhoff-Tochter Hemisphere International gebündelt.

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Differenz relativ
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Nicht betroffen sind die Immobilien der französischen Möbelkette Conforama und der deutschen Billig-Möbelhauskette Poco, an denen Steinhoff beteiligt ist. Diese werden selbst genutzt oder von Dritten angemietet.

Wie groß ist der Bilanzskandal?

Die Falschbewertung der Immobilien zeigt die ersten Ausmaße der Bilanzunregelmäßigkeiten, die im Dezember 2017 von Steinhoff eingeräumt wurden. Seither steckt Steinhoff in einer schweren Existenzkrise. Die Aktien verloren gut 90 Prozent an Wert. Am Mittwoch notieren sie bei nur noch 21 Cents.

Wann der Möbelkonzern seine verschobene Jahresbilanz für 2016/17 präsentiert, ist immer noch offen. Im März hatte Steinhoff angedeutet, dass die Zahlen wohl erst Ende des Jahres veröffentlicht werden würden. Die Aufklärung des Bilanzskandals beim südafrikanisch-deutschen Möbelkonzern kann sich nach Angaben der Wirtschaftsprüfer bis zum Jahresende hinziehen. "Das ist komplex, das ist nicht einfach. Wir arbeiten mit einem Team von Leuten in sieben Ländern", berichtete Louis Strydom, der beim Wirtschaftsprüfer PwC die Sparte für Wirtschaftskriminalität in Afrika leitet.

nb