Markus Jooste

Bilanzskandal Steinhoff: Ex-Chef soll Millionen zahlen

Stand: 27.06.2019, 08:55 Uhr

Der wegen eines Bilanzskandals ins Schlingern geratene Möbelkonzern Steinhoff wendet sich in seiner Verzweiflung nun gegen seinen früheren Chef Markus Jooste. Er soll viele Millionen Euro zurückzahlen. Auch von anderen Vorständen will der Konzern Geld zurück.

Insgesamt 870 Millionen Südafrikanische Rand (knapp 54 Millionen Euro) soll der langjährige Steinhoff-Chef Markus Jooste zurückzahlen. Dabei handelt es sich um die Gehälter, Boni und anderen Vergütungen, die er ab 2009 erhalten hatte. Das berichten mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auch der ehemalige Finanzchef Ben la Grange ist betroffen. Er soll umgerechnet 16,75 Millionen Euro zurückzahlen. Jooste gilt als Hauptverdächtiger in dem Bilanzskandal, der Steinhoff an den Rand der Pleite getrieben hat. Er soll nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfer von PwC konzerninterne Transaktionen im Volumen von 6,5 Milliarden Euro als externe Umsätze verbucht haben, um die Gewinne aufzublähen und Verluste in einzelnen Töchtern zu verdecken.

Jooste hält sich für unschuldig

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Jooste selbst hatte im vergangenen Jahr gegenüber dem südafrikanischen Parlament erklärt, sich keiner Unregelmäßigkeiten bewusst gewesen zu sein, als er Steinhoff am 5. Dezember 2017 verlassen hatte. Jooste schob die Verantwortung auf Deloitte, einer der größten Wirtschaftsprüfer der Welt.

Ex-Steinhoff-CFO la Grange schiebt die Schuld für den Skandal wiederum auf Jooste und moniert zudem, dass Deloitte und Steinhoff die Arbeit teilweise an kleinere Prüfer ausgelagert hätten.

Steinhoff hatte Ende 2017 seine Bilanzprobleme öffentlich gemacht. Dabei geht es laut den Ergebnissen der anschließend eingesetzten Prüfer vor allem um künstlich aufgeblähte Buchungen und zahlreiche Transaktionen, die in Wirklichkeit nie stattgefunden haben.

Milliardenschwere Verluste

Im Zuge der Aufarbeitung des Bilanzskandals musste Steinhoff den Wert seiner Geschäfte allein für das Jahr 2016 um mehr als elf Milliarden Euro nach unten korrigieren. Der Löwenanteil der Berichtigungen ist Unregelmäßigkeiten geschuldet, die die Prüfer auf die Zeit vor Mitte 2015 datieren. Für das Jahr 2017 kamen dann noch andere Abschreibungen von mehr 3,9 Milliarden Euro hinzu.

Im vergangenen Geschäftsjahr schreib Steinhoff einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Der Grund waren Abschreibungen auf Vermögenswerte im Wert von 940 Millionen Euro ab. Seit Ausbruch der Krise ist der Börsenwert von Steinhoff um 97 Prozent eingebrochen, der Wert des Unternehmens auf 347 Millionen Euro gesunken.

lg