Möbelausstellung mit Steinhoff-Logo
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Frisches Geld besorgt Steinhoff erkauft sich neue Galgenfrist

Stand: 12.04.2018, 10:05 Uhr

Nach dem spektakulären Niedergang der Steinhoff-Aktie in den letzten Wochen dreht das Papier heute ins Plus. Der Grund: Das Unternehmen hat sich frisches Geld besorgt und damit im Sumpf um Falschbewertungen und Mauscheleien etwas Luft verschafft.

Nach dem Rekordtief von 0,139 Euro gestern legen die Papiere des Penny Stocks Steinhoff heute zweistellig zu. Zeitweise steigen sie zuletzt gut 16 Prozent. Der in einen Bilanzskandal verwickelte Handelskonzern mit niederländischer Rechtsform und operativem Sitz in Südafrika hat Aktien seiner südafrikanischen Tochter verkauft und dabei rund 254 Millionen Euro erlöst.

Das Unternehmen platzierte 200 Millionen Aktien der Steinhoff Africa Retail Limited (Star), wie Steinhoff am Donnerstag mitteilte. Mit diesem Schritt sollen Schulden in Südafrika verringert werden. Die Anteilsscheine wurden in einem beschleunigten Platzierungsverfahren abgegeben, das Angebot war den Angaben zufolge mehrfach überzeichnet. Der Anteil Steinhoffs an Star sinkt damit um sechs Prozentpunkte auf 71,01 Prozent. Die Transaktion soll bis zum 17. April abgeschlossen werden.

Immobilien sind nur die Hälfte wert

Steinhoff hatte im Dezember Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen für sein Europa-Geschäft eingeräumt. Daraufhin verlor das Unternehmen 90 Prozent seines Börsenwertes und kämpft seitdem ums finanzielle Überleben. Jüngster Anlass für den weiteren Absturz der Aktie war eine zu hohe Bewertung des Immobilienportfolios bei einer Tochtergesellschaft.

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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+4,50%

Steinhoff hatte Anfang des Monats eingeräumt, die 140 Läden, Büros und Grundstücke des Konzerns in Europa hätten lediglich einen Wert von 1,1 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte Steinhoff sein Immobilienportfolio, darunter vor allem die Läden der österreichischen Möbelkette Kika Leiner, doppelt so hoch mit 2,2 Milliarden Euro bewertet.

Mauscheleien mit früherem AR-Chef

Pikante Neuigkeiten gibt es auch zu Zahlungen an den ehemaligen Aufsichtsratschef, den südafrikanischen Unternehmer Christo Wiese. Ihm wirft Steinhoff vor, er habe Millionen-Zahlungen im Zusammenhang mit einer geplanten Fusion des Afrika-Geschäfts mit der Supermarktkette Shoprite nicht korrekt offen gelegt. Wiese ist größter Aktionär von Shoprite.

Der südafrikanischen Finanzseite "Moneyweb" zufolge soll Wiese zudem versucht haben, eigene Verbindlichkeiten durch Steinhoff decken zu lassen. Dabei sei es um einen sogenannten Margin Call gegangen. Dem Vernehmen nach sei es aber nicht dazu gekommen, hieß es weiter in dem Bericht. Zu einem Margin Call kann es kommen, wenn für einen Kredit hinterlegte Sicherheiten einer Bank nicht mehr ausreichen. Wiese wies den Bericht zurück.

lg