Pocol-Laden in Bochum
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Es wird eng Steinhoff - die Achterbahnfahrt geht weiter

Stand: 08.12.2017, 16:08 Uhr

Nach einem Kursverlust von rund 80 Prozent innerhalb von nur zwei Handelstagen sollte ein Unternehmen langsam mal aktiv werden. Genau das versucht jetzt offenbar der Poco-Mutterkonzern Steinhoff aus dem MDax.

Allerdings verschiebt sich das ursprünglich für den kommenden Montag angesetzte Treffen mit Kreditgebern des Unternehmens auf den 19. Dezember, wie Steinhoff am Nachmittag bekannt gab. Dabei handle es sich um eine Kreditlinie über 2,9 Milliarden Euro sowie einen Kredit über 4,0 Milliarden Dollar, den Steinhoff für die Übernahme des US-Unternehmens Mattress Firm aufgenommen hatte. Nach den letzten verfügbaren Daten aus dem Halbjahresbericht per Ende März liegen die langfristigen Verbindlichkeiten bei 12,1 Milliarden und die kurzfristigen Schulden bei rund 5,9 Milliarden Euro.

Dabei hätte Steinhoff gute Nachrichten heute dringend gebrauchen können. Denn die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit des Unternehmens auf Ramsch abgestuft. Die Analysten strichen die Bonitätsnote des Möbelhaus-Konzerns um vier Stufen von "Baa3" auf "B1" zusammen, wie Moody's am Donnerstagabend mitteilte. Eine weitere Senkung sei möglich, hieß es. Als Grund führte die Agentur die Unsicherheiten um die Liquidität und die Verbindlichkeiten des Konzerns an.

Der Chef ist weg

Der Kurssturz hatte sich am Mittwoch dramatisch beschleunigt, nachdem der bisherige Chef Markus Jooste wegen bilanzieller Unregelmäßigkeiten am Dienstagabend seinen Hut genommen hatte. So brach die Aktie um 63 Prozent und am Donnerstag um weitere 46 Prozent ein. Aufsichtsratschef und Großaktionär Christo Wiese will den Konzern nun übergangsweise führen. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden, hieß es. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Auch heute ging der Kurssturz bei Steinhoff weiter. Auf Xetra verlor der Wert bis zu 41 Prozent auf 35 Cent, erholte sich dann aber wieder leicht ins Plus bis auf 64,5 Cent - um danach wieder zurückzufallen. Die Nachricht von der Verschiebung des Treffens mit den Kreditgebern kommt nicht gut an bei den Anlegern. Am Nachmittag verliert das Papier rund ein Viertel seines Wertes auf 43 Cent und nähert sich damit wieder dem Tagestief an. Keine Aktie also für schwache Nerven. Vor einem Jahr lag der Kurs noch bei rund 5,00 Euro.

ME/rm