Steinhoff Möbel Lager in Westerstede

Klagen von Aktionären und Partnern Steinhoff bietet Vergleich an

Stand: 27.07.2020, 13:12 Uhr

Mit Aktien des Modehändlers Pepkor und einer Milliarde US-Dollar in bar will der von einem Bilanzskandal gebeutelte Handelskonzern Steinhoff den Streit mit Aktionären und Verhandlungspartnern beilegen.

Der angebotene Vergleich sei "im besten Interesse" aller Beteiligten, erklärte der Vorstandsvorsitzende Louis du Preez. Die meisten der 90 Klagen, die sich inzwischen auf mehr als acht Milliarden Dollar summierten, seien darin erfasst.

Ob die Kläger dem Vergleich zustimmen werden, bleibt allerdings offen, denn die von Steinhoff angebotene Summe von einer Milliarde Dollar in bar und Aktien des Modehändlers Pepkor, an dem Steinhoff rund 70 Prozent hält, ist weit von den Forderungen entfernt.

Ein Drittel der Forderungen

Pepkor wird an der Börse mit 2,2 Milliarden Dollar bewertet, nachdem der Kurs seit Jahresbeginn um die Hälfte eingebrochen ist. Der Anteil von Steinhoff beträgt knapp 1,6 Milliarden Dollar. Steinhoff kann den Klägern also höchstens 2,6 Milliarden Dollar anbieten, etwa ein Drittel der von ihnen geforderten Summe.

Allerdings scheinen die Ressourcen des Handelskonzerns begrenzt. Für das vergangene Geschäftsjahr 2018/19 (bis Ende September) meldete Steinhoff einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Im Vorjahr war ein Fehlbetrag von 1,25 Milliarden Euro angefallen. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft nahm um fünf Prozent auf knapp zwölf Milliarden Euro zu.

Sanierung geht weiter

Neben der juristischen Aufarbeitung des Bilanzskandals geht die Sanierung weiter. Nach dem Verkauf der Billigmöbelkette Poco in Deutschland hat sich Steinhoff inzwischen auch von den meisten Filialen der französischen Möbel-und Heimwerkerkette Conforama getrennt.

Steinhoff hatte Ende 2017 irreguläre Einkünfte und fiktive Buchungen von mehr als sechs Milliarden Euro einräumen müssen. Danach wurde der Börsenwert des Unternehmens, dessen Aktie zwischenzeitlich einmal im Mittelwertesegment MDax notiert war, fast vollständig vernichtet. Die Aktie ist von ihrem einstigen Höchstwert von sechs Euro Mitte 2016 auf zuletzt 5 Cent eingebrochen. Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung noch 228 Millionen Euro.

lg