Vonovia-Wohnungen in Essen
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Zweistelliges Wachstum Höhere Mieten, höherer Gewinn bei Vonovia

Stand: 02.08.2019, 07:58 Uhr

Die Enteignungsdebatte und der Berliner Mietendeckel haben bislang Vonovia kaum geschadet. Im ersten Halbjahr hat Deutschlands größter Wohnungskonzern knapp 13 Prozent mehr Geld verdient - unter anderem dank anziehender Mieten. Zudem zahlt sich die internationale Expansion aus.

Seit Monaten stehen Immobilienkonzerne wie Vonovia in der Kritik. Mit Mietpreiserhöhungen würden sie die Wohnungsnot verschärfen. "Vonovia macht Mieter arm", skandierten Demonstranten auf der letzten Hauptversammlung. Vonovia-Chef Rolf Buch wehrt sich. Der Konzern sei kein Preistreiber. Die Nettomiete bei den Vonovia-Wohnungen sei in den ersten sechs Monaten lediglich um 4,4 Prozent auf 6,64 Euro pro Quadratmeter gestiegen. "Das sind keine Luxusmieten." Vonovia würde den Mietpreisspiegel akzeptieren und sich an die Mietpreisbremse halten. "Wir sind nicht die Ursache für die Wohnungsnot", betont Buch.

Wohngarantien für Senioren

In Berlin betrage bei Neuvermietungen der durchschnittliche Quadratmeterpreis 11,70 Euro. Vonovia liege da um mehr als 20 Prozent niedriger, sagte der Vonovia-Chef unlängst in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mit Wohngarantien für Senioren ab 70 versucht Vonovia die Mietdebatte zu entschärfen.

Trotzdem verdient Vonovia nach wie vor prächtig mit seinen knapp 400.000 Mietwohnungen, die meisten davon in Deutschland. Im ersten Halbjahr stiegen die Mieteinnahmen um fast 14 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Die für die Branche wichtige Kenngröße – das operative Ergebnis (FFO) zog um knapp 13 Prozent auf 609 Millionen Euro an.

Zukäufe in Schweden und Österreich

Neben den höheren Mieten profitierte Vonovia auch von der Auslandsexpansion. So übernahm der Dax-Konzern die österreichische Buwog und die schwedische Immobiliengruppe Victoria Park.

Die deutsche Miet-Debatte treibt Vonovia ins Ausland. Finanziell werde der Konzern unter dem geplanten Mietendeckel in Berlin nicht leiden. Nur zehn Prozent der 400.000 Vonovia-Wohnungen lägen in der deutschen Hauptstadt. "Da werden Mittel frei. Die kann ich auch in Schweden investieren." Der Konzern expandiert in das skandinavische Land, weil in Deutschland und Österreich kaum noch große Wohnungspakete zum Verkauf stehen.

Vonovia und Buwog Audio

B5 Börse 11.29 Uhr: Vonovia kritisiert Mietendeckel in Berlin

Jahresziel bestätigt

Die im Mai bereits angehobene Gewinnprognose für das Gesamtjahr bestätigte Vonovia. Das Unternehmen peilt weiterhin für 2019 ein operatives Ergebnis (FFO) in Höhe von 1,17 bis 1,22 Milliarden Euro an. Im Vorjahr hatte der Immobilienkonzern 1,13 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Vonovia-Logo vor der Unternehmenszentrale Audio

B5 Börse 10.15 Uhr: Vonovia rechnet mit mehr Gewinn

Mit Blick auf die anhaltenden Proteste von Mietern wegen der teilweise kräftigen Mieterhöhungen nach Modernisierungen hatte Konzernchef Rolf Buch Ende 2018 einen Strategiewechsel angekündigt. Zukünftig steckt Vonovia deutlich weniger in energetische Modernisierungen deutscher Wohnungen, wie Dämmung oder den Austausch alter Fenster. Stattdessen nimmt das Unternehmen unter anderem mehr Geld für den Neubau und für die zugekauften Wohnungen in Schweden in die Hand.

Aktien steigen

Die Halbjahreszahlen und der bestätigte Ausblick geben den Aktien von Vonovia Auftrieb. Sie legen zur Xetra-Eröffnung um 0,8 Prozent zu und zählen zu den wenigen Dax-Gewinnern in einem schwachen Marktumfeld. Seit Jahresbeginn haben die Immobilientitel rund 15 Prozent gewonnen.

nb