Ein Flugzeug startet am Flughafen in Düsseldorf vor dunklen Wolken

Flugbetrieb nimmt wieder zu Stehen die Airlines vor einem Comeback?

Stand: 15.06.2020, 14:53 Uhr

Nach wochenlanger Corona-Pause ist heute morgen von Düsseldorf aus erstmals wieder eine Maschine mit Urlaubern gestartet. Auch anderswo geht der Flugbetrieb wieder los. Hat sich Warren Buffett also geirrt, als er seine Airline-Aktien abstieß?

Tatsächlich haben sich die Aktien der meisten Airlines inzwischen von ihren Tiefständen erholt und sind heute doppelt so teuer wie im April oder Mai. So kletterte das Papier von United Airlines binnen weniger Tage von knapp 20 Dollar auf fast 49 Dollar. Auch die Papiere der anderen einst von der Investorenlegende Warren Buffett gehaltenen Fluggesellschaften machten im Zuge der jüngsten Lockerungen einen Freudensprung.

Selbst die gebeutelte Lufthansa schaffte es von ihrem Jahrestief bei 7,22 auf über 12,00 Euro Anfang letzter Woche. Hat Buffett also einen Fehler gemacht, als er im Mai auf der Hauptversammlung seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway verkündete, sich von allen seinen Airline-Beteiligungen – Delta Air Lines, American Airlines, Southwest Airlines und United Airlines - getrennt zu haben?

Fundamentale Veränderung

Natürlich weiß niemand, ob er inzwischen wieder eingestiegen ist, um von der rasanten Kurserholung der letzten Wochen zu profitieren, weil die Veränderungen in seinem Portefeuille erst mit mehreren Monaten Verspätung bekannt gegeben werden.

Doch als überzeugter Value-Investor lässt Buffett sich eigentlich nicht von kurzfristigen Kursausschlägen beeinflussen. Es muss sich in seinen Augen also etwas Fundamentales in der Welt der Fluggesellschaften verändert haben, dass er seine Anteile komplett veräußert hat.

Keine komplette Erholung vor 2022?

"Wenn wir etwas verkaufen, dann betrifft es sehr häufig alle Anteile. Wir reduzieren keine Positionen. Wenn wir ein Geschäft mögen, dann kaufen wir davon so viel wie möglich und behalten es so lange wie möglich. Und wenn wir unsere Meinung ändern, dann machen wir keine halben Sachen mehr", so Buffett.

Auf der HV von Berkshire Hathaway erklärte er, er wisse nicht, ob die Menschen nun ihre Gewohnheiten ändern würden oder ob sie in drei, vier Jahren genauso viel fliegen würden wie im letzten Jahr. Das heißt im Klartext: Bis dahin, also in den nächsten zwei Jahren, erwartet der Investor nur eine verhaltene Erholung der Branche.

Deutsche wollen nicht mehr fliegen

Natürlich verfügt auch ein Warren Buffett nicht über eine Glaskugel, doch geht die Branche derzeit davon aus, dass es nicht zu einer raschen Erholung kommen dürfte. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des "Spiegel" planen nur 13,4 Prozent der Deutschen, in den kommenden drei Monaten aus beruflichen oder privaten Gründen zu fliegen.

Die große Mehrheit, 83,1 Prozent, hat nichts dergleichen vor. Selbst unter leitenden Angestellten, die viel geschäftlich reisen, will nur jeder Fünfte in den nächsten drei Monaten einen Flug buchen. 60,8 Prozent aller Befragten haben laut der Umfrage Angst, sich an Bord mit dem Coronavirus anzustecken.

Ein ernüchterndes Ergebnis, hatten die Airlines doch mit der Aufhebung der Reisewarnungen innerhalb Europas ein anziehendes Geschäft erwartet. Mit einer V-förmigen Erholung rechnen allerdings auch die Airlines nicht. Sie würde bedeuten, so die Unternehmensberatung Roland Berger, dass sich der Flugverkehr bereits in diesem Winter vollständig normalisiert hat.

Skeptische Airlines

Derzeit sieht es eher verhalten aus. So bietet die Branche in diesem Monat verglichen mit dem Juni 2019 gerade mal 14 bis 15 Prozent der üblichen Sitzplatzkapazität an. Die Unternehmensberater von Roland Berger schließen nicht aus, dass das "new normal" erst ab dem Sommerflugplan 2022 erreicht werden könnte. Das würde dann ein Reisevolumen von 80 Prozent des Vorkrisenniveaus bedeuten.

Auch Europas größter Billiganbieter Ryanair geht davon aus, dass die Erholung der Passagiernachfrage und des Preisumfelds auf die Niveaus von 2019 mindestens zwei Jahre, frühestens bis zum Sommer 2022, dauern wird. Die Airline-Aktien dürften also noch eine Weile brauchen, bis sie ihre Vorkrisenniveaus erreicht haben - Rückschläge nicht ausgeschlossen.

Wie ein "Crack-Cocaine-Junkie"

Genau vermag das natürlich niemand zu sagen, einig sind sich die meisten Experten darin, dass die Krise zu einer neuen, signifikanten Konsolidierung der Branche führen wird. Danach dürften große, breit aufgestellte Airlines zu den Krisengewinnern zählen.

Das weiß auch Ryanair-Chef Michael O’Leary. Er erneuerte daher seine Kritik an Staatshilfen für Gesellschaften wie Lufthansa und Air-France KLM. Dagegen will der Ryanair-Chef gerichtlich vorgehen, denn er fürchtet, dass die Lufthansa nach der Krise wieder wie ein "Crack-Kokain-Junkie" herumlaufen und alles aufkaufen werde.

Und Warren Buffett? Gut möglich, dass der Altmeister vom permanenten Auf und Ab der Fluggesellschaften in den letzten Jahren einfach genug hat. Denn Airline-Investments waren noch nie was für Anleger mit schwachen Nerven, Profis eingeschlossen.

lg

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