Stada in Bewegung

Übernahmehürde nur ganz knapp übersprungen Der Stada-Krimi

Stand: 21.08.2017, 09:29 Uhr

Die Stada-Übernahme ist nur gerade eben so geglückt. Die Annahmequote von 63 Prozent wurde nur knapp übersprungen und erzählt einen kleinen Krimi. Vor allem Ärzte und Apotheker unter den Stada-Aktionären wollten ihre Aktien nicht abgeben. Und die Hedgefonds.

Eigentlich haben die Finanzinvestoren für Stada mehr geboten, als das Pharmaunternehmen wert ist. So zumindest sieht es das Analysehaus Warburg Research, das nach der erfolgreichen Übernahme nun die Aktie von "Hold" auf "Sell" herabstuft und das Kursziel bei 66,25 Euro belässt. Die Begründung: Selbst seine positivsten Annahmen für die Geschäftsentwicklung des Generikaherstellers entsprächen nicht dem Kaufgebot von 66,25 Euro je Aktie, so Analyst Ulrich Huwalds.

Markus Gürne
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Stada-Aktie im Höhenflug

Viele Stada-Aktionäre haben sich trotzdem nicht zur Abgabe ihrer Stada-Aktien bewegen lassen. Zwar glückte die Stada-Übernahme, immerhin wurden den Bietern Bain und Cinven bis zum Ende der Annahmefrist am Mittwoch 63,85 Prozent der Anteile angedient. Doch die Grenze von 63 Prozent, die sich die Beteiligungsgesellschaften zum Ziel gesetzt hatten, wurde damit nur knapp übersprungen. Das heißt umgekehrt: 36,15 Prozent der Stada-Aktien wurden noch nicht angedient.

Weitere Spekulationen um Stada-Aktie

Die Börse gesteht der Stada-Aktie gleichwohl einen höheren Wert zu. Im frühen Handel am Montagmorgen notiert der Kurs immer noch um die 72 Euro.

Viele Marktteilnehmer dürften auf einen Sondergewinn durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hoffen, der ab einer Schwelle von 75 Prozent möglich ist, sagte ein Händler. Bisher unentschlossene Aktionäre können nun bis 1. September in der laufenden weiteren Annahmefrist ihre Aktien andienen. Derzeit wäre dies aber unklug, da sie über die Börse deutlich mehr für ihre Papiere bekommen.

Shortseller am Werk

Am Freitag war die Stada-Aktie zeitweise um 15 Prozent hochgeschossen auf 73,45 Euro. Begonnen hatte die Kurs-Rally bereits kurz vor der offiziellen Meldung der geglückten Übernahme.

Händler begründeten dies vor allem mit Eindeckungen von Leerverkäufen: Spekulative Anleger, die mit geliehenen Stada-Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten diese Aktien nun am Markt zurückkaufen. Das trieb den Stada-Kurs steil nach oben. Am Abend standen immer noch 72,55 Euro und ein Kursplus von 13 Prozent auf der Kurstafel.

Die Verweigerer

Was die Stada-Übernahme erschwerte, waren nicht nur die Hedgefonds um den berüchtigten Investor Paul Singer, sondern auch der hohe Anteil von Privatanlegern. Ein Großteil der Aktien lag in der Hand von - traditionsbewussten - Apothekern und Ärzten.

Markus Gürne
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Stada-Aktie im Höhenflug

Ein Erbe der Unternehmensgeschichte: Stada war ursprünglich eine Apotheker-Genossenschaft. 1970 wurde daraus eine Aktiengesellschaft, deren Aktien aber ausschließlich an Apotheker ausgegeben wurden. 1998 ging Stada an die Börse, wobei Vorzugsaktien ausgegeben wurden, um bei Investoren Geld einzusammeln. Nur drei Jahre später schaffte es Stada bereits in den MDax.

Eine weitere Hürde waren Indexfonds, die rund zehn Prozent der Stada-Anteile halten und diese wegen der Zugehörigkeit des Unternehmens zum MDax aus technischen Gründen nicht andienen dürfen.

Singer im Glück

Als großer Unsicherheitsfaktor galt lange auch der berüchtigte Investor Paul Singer. An der Börse wird gemutmaßt, dass der Amerikaner kurz nach dem Scheitern des ersten Angebots massiv Stada-Papiere gekauft hat und sich damit den zeitweisen Kurseinbruch der Aktien zunutze machte. Zuletzt hatten Singer und sein Hedgefonds Elliott rund zehn Prozent der Stada-Anteile gehalten. Lange war nicht klar, was er damit vorhatte. Auf den letzten Drücker soll er nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg aber doch noch Unterstützung für das Gebot signalisiert haben.

Aus Finanzkreisen hieß es, dass der Amerikaner den Finanzinvestoren aber nur einen Teil seiner Anteile angedient habe. Ein geschickter Schachzug. So könnte er jetzt den anderen Teil über die Börse verkaufen und dabei mehr rausschlagen.

Bain und Cinven erneuerten am Freitag ihre Absicht, mit dem Konzern international zu expandieren. "Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion werden wir das bestehende Geschäft von Stada weiter stärken und seine Position als global tätiges Pharmaunternehmen ausbauen", erklärten sie.

Wie viele Jobs gehen verloren?

Stada gilt als letzter unabhängiger Generika-Hersteller in der Bundesrepublik. Mit dem Angebot von Bain und Cinven in Höhe von rund 5,3 Milliarden Euro ist die Übernahme eine der größte Firmenverkäufe eines deutschen Unternehmens an Finanzinvestoren.

Arbeitnehmervertreter sehen den Verkauf kritisch. Sie befürchten trotz Zusagen der Investoren einen Abbau der rund 10.800 Jobs bei Stada. Alexander Wiesbach von der Gewerkschaft IG BCE sagte am Freitag, die von den Investoren zugesicherte Schutzklausel für die Beschäftigten in der deutschen Produktion betreffe lediglich zehn Prozent der gesamten Stada-Belegschaft. Es gebe daher noch Gesprächsbedarf mit den Investoren. "Wir brauchen Arbeitsplatzsicherheit auch für die übrigen Beschäftigten."

bs