Stada-Schriftzug vor der Unternehmenszentrale in Bad Vilbel, Hessen

Übernahme-Krimi Stada-Übernahme erneut vor dem Aus?

Stand: 16.08.2017, 15:11 Uhr

Der Poker um Stada geht in die letzte Runde. Nur Stunden vor Ende der Annahmefrist ist die Annahmequote von 63 Prozent noch weit entfernt.

Die 5,3 Milliarden Euro schwere Übernahme des Arzneimittelherstellers Stada droht auch im zweiten Anlauf zu platzen. Bis heute Mittag wurden den Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven lediglich 46,53 Prozent der Stada-Aktien angedient. Am Freitagabend hatte die Zahl bei 34 Prozent gelegen. Dies ist zwar eine ordentliche Steigerung, dennoch fehlen weitere 17 Prozentpunkte. Die Finanzinvestoren haben nämlich bis Mitternacht Zeit um mindestens 63 Prozent der Papiere einzusammeln. "Knapp wird es schon. Das wird sicher kein Home Run", sagte ein Banker der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Commerzbank erwartet schon einmal ein Scheitern der Übernahme. Sie glaubt nicht, dass die Annahmequote erreicht wird und senkt daher ihr Kursziel von 66 auf 58 Euro. Desweiteren wurde die Aktie von "Hold" auf "Reduce" abgestuft.

Die Bank geht nicht davon aus, dass eine dritte Partei eingreift oder die Finanzinvestoren ihr Angebot erneut aufstocken.

Entscheidungen kurz vor knapp

Professionelle Anleger warten häufig bis kurz vor Fristende, ehe sie sich entscheiden. So könnte beispielsweise der US-Investor Paul Singer noch für einen Umschwung sorgen. Dieser war mit seinem Fonds Elliott mit fast zehn Prozent eingestiegen. Noch ist offen, was er mit seinem Anteil vorhat. Hedgefonds und andere kurzfristig orientierte Investoren halten an dem MDax-Unternehmen inzwischen 50 Prozent, wodurch es bis zur Nacht spannend bleibt.

Im ersten Übernahme-Anlauf hatten viele Hedgefonds ihre Aktien mit der Hoffnung auf eine höhere Abfindung zurückgehalten. Die Annahmequote lag mit 65,52 Prozent knapp unter den geforderten 67,5 Prozent. Die Rechnung der Hedgefonds ging schließlich auf, die Finanzinvestoren erhöhten ihr Angebot um 25 Cent auf 66,25 Euro je Anteilsschein. Zudem erwarben Bain und Civen vorab knapp 20 Prozent der Anteile und senkten die Mindestannameschwelle auf 63 Prozent. Der neue Stada-Chef Engelbert Tjeenk Willink warb ebenfalls für die Übernahme. Sollte die Übernahme platzen, könnte eine Zerschlagung des Konzerns drohen, warnt das Management. In jedem Fall dürfte die Aktie zunächst unter Druck geraten.

kp