Auf der Landebahn Nordwest geparkte Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Entscheidung naht Der Staat und die Lufthansa - kann das gut gehen?

von Marc Stephan

Stand: 24.04.2020, 16:56 Uhr

Weltweit kämpfen Fluggesellschaften im Zuge des Corona-Schocks ums Überleben. Mit den aktuellen Zahlen der Lufthansa sind die laufenden Gespräche um eine Staatsbeteiligung noch dringlicher geworden. Ob ein Staatseinstieg die richtige Lösung ist, bleibt umstritten.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Aktie der Kranich-Airline um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Ähnlich tief hinab ging es nur in den Jahren 2009, 2013 und 2016. Ohne Hilfe wird es für die Lufthansa eng. Die gestern vorgelegten Zahlen sprechen für sich, Anleger ziehen sich weiter zurück. Zahlreiche Analysten stufen den Dax-Titel herunter.

Noch verfügt der Konzern über ein Liquiditätspolster von rund fünf Milliarden Euro, Analysten der DZ Bank gehen aber von einem Bedarf in Höhe von zehn Milliarden Euro für das laufende Jahr aus. Und eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Selbst der Lufthansa-Vorstand erklärte, dass es Jahre dauern wird, bis das Fluggastaufkommen wieder den Stand vor der Krise erreichen wird.

Staatsbeteiligung möglich

Peter Feldmann

Peter Feldmann. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Schon seit Wochen verhandelt die Lufthansa mit der Bundesregierung um ein Hilfspaket. Klar ist, das haben beide Seiten schon verkündet, eine vollständige Verstaatlichung wird es zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte Ende März eine vorübergehende Verstaatlichung der Lufthansa gefordert.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass in der kommenden Woche ein staatliches Hilfspaket geschnürt werde, mit einem Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro. Nach Angaben von Insidern sollen die Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes, aus staatlich besicherten KfW-Krediten und von den Regierungen Österreichs, Belgiens und der Schweiz kommen.

Höherer Eigenkapitalanteil vorteilhaft

An anderer Stelle hieß es, es sei politisch nicht durchsetzbar, der Lufthansa nur Kredite zu geben, ohne am Eigenkapital beteiligt zu sein. Über die Vergabe eines Kredits ist zwar die Liquidität vorerst gesichert, allerdings steigt die Verschuldung des Konzerns noch weiter.

Guido Hoymann, Bankhaus Metzler

Guido Hoymann, Bankhaus Metzler. | Bildquelle: Unternehmen

Guido Hoymann, Analyst beim Bankhaus Metzler, hält einen Einstieg des Staates bei der Lufthansa durchaus für sinnvoll. "Es kann durchaus sein, dass das Unternehmen besser aus der Krise herauskommt, weil es einen höheren Eigenkapitalanteil und geringere Schulden hätte. Nach der Krise wäre es dann relativ schnell wieder bereit, um normal zu arbeiten."

Prof. Dr. Martin Peitz

Martin Peitz, Universität Mannheim. | Bildquelle: Universität Mannheim

Aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeutet eine Beteiligung des Staates aber immer eine mögliche Belastung für jeden einzelnen Bürger, sagt Martin Peitz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. "Letztendlich sind das alles Steuermittel, über die hier gesprochen wird. Eine zentrale Frage ist: Was sind die Einstiegskonditionen und was sind die Ausstiegskonditionen? Je langfristiger sich der Staat engagiert, desto größer sind die Risiken für den Steuerzahler und auch für den Wettbewerb", erklärt der Volkswirt.

Staatsbeteiligung nicht immer erfolgreich

Dass der Staat ein Interesse hat, die größte Airline des Landes zu unterstützen, ist verständlich. Vergangene Staatsbeteiligungen und Rettungsversuche verliefen aber nicht immer erfolgreich. Jüngstes Beispiel ist die Commerzbank. Nachdem der Bund zunächst Kredite in Milliardenhöhe in das taumelnde Institut gepumpt hatte, entschied er sich 2009, mit einem Volumen von 18,2 Milliarden Euro in das Bankhaus einzusteigen. Im Gegenzug erhielt der Staat ein Viertel der Anteile. Dennoch - wirklich erholt hat sich die Bank von der Krise vor über zehn Jahren noch nicht. Auch mit der Aktie ging es trotz einer zwischenzeitlichen Erholung weiter nach unten. Noch heute mischt der Bund in der Commerzbank mit, auch wenn sich sein Anteil nun auf unter 15 Prozent reduziert hat.

Auswirkungen für Fluggäste

Für die Verbraucher dürfte eine Staatsbeteiligung keine direkten Auswirkungen haben – Flugpreise dürften durch diese Maßnahme nicht teurer werden. Allerdings ist zum 1. April die Ticketsteuer für Flüge in Deutschland erhöht worden. Fliegen wird für Verbraucher somit teurer. Diese Erhöhung ist Teil des Klimapakets und soll Fliegen unattraktiver machen.

Prof. Dr. Yvonne Ziegler, Frankfurt University of Applied Science

Yvonne Ziegler, Frankfurt University of Applied Sciences. | Bildquelle: Frankfurt University of Applied Science

Zudem dürfte sich die Corona-Krise auf die Ticketpreise auswirken. Ob und in welcher Höhe die Preise steigen werden, ist noch unklar. "Das hängt davon ab, unter welchen Auflagen Fluggesellschaften den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Wenn der Mittelsitz freigehalten werden muss, wäre das für Fluggesellschaften sehr teuer. Um profitabel zu sein, müssten die Airlines dann wahrscheinlich die Preise anheben", erklärt Yvonne Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Luftverkehrsmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences. Auch die aktuell sehr niedrigen Ölpreise dürften das nicht verhindern.