Axel Springer Chef Mathias Döpfner

Schmaler Gewinn, starkes Ergebnis Springer: Von wegen Sommerflaute

Stand: 08.11.2017, 13:56 Uhr

Damit hatten die Anleger wohl nicht gerechnet: Der Axel Springer-Konzern realisiert zwar inzwischen 77 Prozent seines Gewinns im digitalen Geschäft, doch unter dem Strich ging es nach unten.

Weil die im vergangenen Jahr angefallenen Sondererträge diesmal weggefallen sind, sackte der Konzerngewinn in den ersten neun Monaten bis Ende September um 55 Prozent auf 163 Millionen Euro ab. Grund für den Rückgang waren erhebliche Einmaleffekte im Zusammenhang mit der Gründung der Ringier Axel Springer Schweiz AG sowie der Veräußerung von CarWale. Rechnet man diese Einmaleffekte heraus, hat der Konzern 17 Prozent mehr verdient. Doch Anleger und Analysten reagieren zunächst verschnupft. Die im MDax notierte Aktie fällt am Morgen unter die Schwelle von 60 Euro, sie sich am Vormittag leicht erholt.

Tatsächlich hat Axel Springer auch im dritten Quartal vom florierenden Internetgeschäft profitiert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um knapp sieben Prozent auf 156,1 Millionen Euro und entsprach damit den Erwartungen von Branchenexperten.

Digitales Geschäft floriert

Für den größten Gewinnbeitrag sorgte abermals das digitale Geschäft. 77 Prozent des Gewinns und rund 70 Prozent des Konzernumsatzes kamen aus diesem Bereich. Dabei florierten vor allem der Verkauf von Kleinanzeigen.

Dadurch stieg der Konzernumsatz um rund sieben Prozent auf knapp 860 Millionen Euro. Im Rubrikengeschäft, zu dem die Online-Portale Stepstone und Immowelt gehören, erwirtschaftete Springer 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei kam das mit Abstand meiste Geld wieder über die Stellenanzeigen herein. Aber auch bei der Vermarktung von Onlinewerbung ging es mit einem Plus von rund 13 Prozent weiter bergauf.

Prognose bekräftigt

"Wir sind in allen operativen Segmenten erneut gewachsen", sagte Konzernchef Mathias Döpfner. Er zeigte sich erfreut über steigende Gewinne und Umsätze bei den Bezahlangeboten (News Media). Schleppend verlief es dagegen im eher traditionellen Geschäft mit Namen wie "Bild" oder "Welt", das Springer in "News Media" umgetauft hat. Hier stiegen die Umsätze um gerade mal ein Prozent, gestützt durch Werbeerlöse. Beim Abo- und Einzelverkauf alleine kam weniger Geld herein.

Döpfner bekräftigte die Ziele für das Gesamtjahr 2017, wonach das operative Ergebnis um einen hohen einstelligen Prozentsatz steigen soll. Der Umsatz solle nach wie vor im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. In den ersten neun Monaten steigerte Axel Springer den Umsatz um 7,0 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro.

JPMorgan hat die Einstufung für Axel Springer nach den Zahlen auf "Overweight" mit einem Kursziel von 62 Euro belassen. Das dritte Quartal des Medienkonzerns sei stark ausgefallen, schrieb Analyst Marcus Diebel. Er verwies vor allem auf das beeindruckende organische Umsatzwachstum im Online-Rubrikengeschäft.

lg