Thomson Reuters Zentrale, Toronto

Mehrere Interessenten Springer schielt auf Reuters

Stand: 02.12.2019, 11:15 Uhr

Was wird aus der Nachrichtenagentur Reuters? Angeblich würde gerne der Medienkonzern Axel Springer Reuters kaufen. Die Berliner sind aber nicht der einzige Interessent für den britischen Traditionskonzern.

Bei den Mitarbeitern von Thomson Reuters herrscht derzeit Unruhe. Die frühere Sparte Financial & Risk, die jetzt Refinitiv heißt, soll für 27 Milliarden Dollar an die Londoner Börse (LSE) verkauft werden. Die LSE-Aktionäre gaben in der vergangenen Woche grünes Licht für den Milliarden-Deal. Thomson Reuters ist mit 45 Prozent an Refinitiv beteiligt, der Rest gehört Blackstone. Refinitiv liefert Software und Bildschirme mit Nachrichten und Marktdaten an Finanzinstitute.

Nun könnte auch die Nachrichtenagentur Reuters, die weiter zu Thomson Reuters gehört, ins Übernahmevisier geraten. Laut der "Financial Times" und dem Branchenportal "New Business" erwägt Axel Springer den Kauf von Reuters. Springer befindet sich mehrheitlich im Besitz des Finanzinvestors KKR.

Auch Ex-Reuters-Chef buhlt um Reuters

Neben Springer gibt es Gerüchten zufolge noch einen weiteren Interessenten. Auch Mark Wood, der frühere Reuters-Chefredakteur und ITN-Chef, hat laut "Financial Times" ein Angebot für Reuters abgegeben.

Bislang jedoch seien alle Angebote abgelehnt worden. David Thomson, Chef von Thomson Reuters, hatte zuletzt betont, dass er Reuters News behalten möchte. Allerdings gebe es innerhalb der Firma unterschiedliche Ansichten zur Zukunft von Reuters.

Kahlschlag bei der Nachrichtenagentur

Die Nachrichtenagentur durchlebt derzeit schwierige Zeiten. Konzernweit läuft ein großangelegter Stellenabbau, um Kosten zu sparen. Besonders hart ist der deutschsprachige Dienst von Reuters getroffen. Dort blutet die Redaktion immer mehr aus.

Wichtigster Kunde von Reuters ist Refinitiv. Die Agentur hat einen Langfristvertrag zur Nachrichten-Belieferung der früheren Finanzmarkt-Sparte geschlossen. Reuters News versorgt Refinitiv noch mindestens 30 Jahre lang mit Nachrichten.

Die Tücken des Refinitiv-Vertrags

Der Deal bedroht aber die Unabhängigkeit von Reuters. So blockierte Refinitiv in China Reuters-Berichte über das Tiananmen-Massaker, nachdem die Zensurbehörde gedroht hatte, Refinitivs Geschäfte in China zu stoppen.

nb