Spotify-App auf einem Smartphone

Vertraulicher Börsengang Spotify: Was für eine Heimlichtuerei

Stand: 04.01.2018, 16:07 Uhr

Schon seit einem Jahr erwägt der Musikstreamingdienst Spotify einen Börsengang ohne das sonst übliche Preisbildungsverfahren. Bis zum Sommer dieses Jahres soll es nun tatsächlich dazu kommen.

Die in Schweden beheimatete Firma habe vor dem Jahreswechsel einen vertraulichen Antrag für eine Aktienplatzierung in den USA eingereicht, berichten "Financial Times" und das "Wall Street Journal". Spotify kommentierte die Meldungen nicht, wollte sie aber auch nicht dementieren.

Spotify wolle zum Ende des ersten Halbjahres an der Börse starten. Ursprünglich war über ein IPO im September letzten Jahres spekuliert worden. Wie bereits berichtet, will der Musikdienst dabei den ungewöhnlichen Weg einer Direktplatzierung gehen. Die Aktien würden ohne das übliche Preisbildungsverfahren direkt an der New Yorker Börse registriert.

Damit kämen die Anteilsscheine einfach in den Handel, ohne dass Spotify neue Aktien ausgibt oder Banken für die Platzierung neuer Aktien engagiert. Dafür könnte sich das Unternehmen die Gebühren für die Banken sparen, die für die Platzierung neuer Anteilsscheine anfallen.

Nummer eins der Branche

Das Unternehmen ist die Nummer eins im Geschäft mit Musik-Streaming, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Der Dienst kommt nach eigenen Angaben auf mehr als 60 Millionen zahlende Abo-Kunden und mehr als 140 Millionen Nutzer insgesamt. Die Schweden konnten bisher auch die mächtige Konkurrenz aus Amerika auf Abstand halten, wie die Grafik von Statista zeigt.

Spotify vs. Apple Music

Anzahl der zahlenden Abonnenten von Spotify und Apple Music. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Spotify wurde in der jüngsten Finanzierungsrunde im Sommer 2015 laut Medienberichten insgesamt mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet. Nach Informationen des "Wall Street Journal" vom vergangenen Frühjahr wurde für die Aktienplatzierung ein Börsenwert bei zehn Milliarden Dollar angepeilt, nach Einschätzung von Analysten könnte er sogar bei 20 Milliarden Dollar liegen.

Klage eingereicht

Über den Börsengang der Firma wurde bereits seit längerer Zeit spekuliert. Ein Hindernis könnte die ebenfalls Ende Dezember eingereichte Klage eines Musikverlags werden, der mindestens 1,6 Milliarden Dollar an Zahlungen für Songautoren erstreiten will.

lg