Spotify-Gründer Daniel Ek

Eskalation im Streaming-Streit Spotify zwischen Podcast-Hype und Apple-Streit

von Thomas Spinnler

Stand: 03.04.2019, 08:02 Uhr

Spotify ging vor genau einem Jahr an die Börse. Die Fehde des größten globalen Musik-Streamingdienstes mit Apple erreicht jetzt eine neue Eskalationsstufe. Spotify-Boss Daniel Ek schaltet die EU-Kommission ein. Der Vorwurf lautet: unfairer Wettbewerb.

Daniel Ek, Gründer und Boss des Musik-Streamingdienstes Spotify, ist böse auf Apple. Und ein bisschen ängstlich dürfte er auch sein, denn Apple, eines der erfolgreichsten und erfolgsverwöhntesten Unternehmen der Welt aus dem sonnigen Kalifornien, drängt mit aller Macht in den Kernmarkt des schwedischen Konkurrenten: nonstop musikdudeln! Unter unfairen Voraussetzungen, wie Ek behauptet.  

Deshalb beschwerte sich Spotify jetzt bei der EU-Kommission. Der Vorwurf: unfairer Wettbewerb. Denn Apple ist Betreiber des App-Stores und bietet zugleich den Dienst Apple Music an. „Jeder Monopolist wird behaupten er tue nichts Falsches“, klagte ein Spotify-Sprecher im Entertainment-Magazin „Variety“. Monopolisten würden immer argumentieren, als läge ihnen ausschließlich das „beste Interesse der Kunden und Wettbewerber am Herzen.“ Offenbar setzt Spotify darauf, sich in der Öffentlichkeit das Image des „guten Underdogs“ zu sichern.   

Spotifys Streit mit Apple

Im Kern lautet der Vorwurf, Apple missbrauche die Markstellung, da der Konzern als Plattformbetreiber des Apple-App-Store von Anbietern wie Spotify eine 30-prozentige Abgabe verlange. Der US-Konzern schränke die Möglichkeiten von Konkurrenten des Dienstes Apple Music und der Kunden auf unfaire Weise ein. Die Abgabe habe dazu geführt, dass Spotify den Monatspreis für den Premiumdienst von 9,99 auf 12,99 Euro habe erhöhen müssen, gerade als 2015 Apple Music zu einem Preis von 9,99 Euro an den Start gegangen sei. Inzwischen kann man das Premium-Abo auf dem iPhone nicht mehr abschließen.

Apple kontert Spotify habe jahrelang den App Store genutzt, um das Geschäft auszubauen und wolle nun „alle Vorteile" dieses Systems einstreichen, „ohne etwas zu diesem Marktplatz beizutragen“. Und: Spotify gebe nur sehr wenig seiner Einkünfte an die Künstler und Musiker weiter.

Podcasten als  Chance gegen Apple?

Ein Underdog ist Spotify keineswegs, und die Lage ist ernst. Denn im wichtigen US-Markt hat Apple bereits einen größeren Marktanteil – Spotify ist überholt worden. Die Konkurrenz treibt nach vorn, deshalb muss der globale schwedische Marktführer neue Wege finden, um den Vorsprung vor der Konkurrenz mindestens zu halten.

Warum also nicht das Kerngeschäft erweitern? Das neue Ziel ist der boomende Markt für Podcasts. Spotify kauft zu: Mit Gimlet wurde eine populäre Produktionsfirma erworben, Anchor ist ein Dienstleister und bietet eine App für Aufnahme und Vertrieb. Und jetzt kommt Parcast dazu, ein Anbieter von Krimi-Hörspielen. Storytelling als Mittel, um die Leute zu ziehen. Spotify wolle zur Nummer eins bei Produktion und Verbreitung von Podcasts werden, sagte Gründer und Chef Daniel Ek.

Die Idee dahinter ist simpel: Die Podcast-Anbieter sollen ihre gesamte Community mitbringen ins Angebot von Spotify. Das US-Magazin „Techcrunch“ zitiert Courtney Holt, Head of Spotify Studios: Menschen die auf Spotify Podcasts konsumieren, konsumieren mehr Spotify, Musik inbegriffen.“ Man habe herausgefunden, dass durch den Ausbau des Podcast-Katalogs die Musik nicht an Attraktivität verliere. Es habe die Gesamtzeit erhöht, die Nutzer auf der Plattform verbringen würden, unterstreicht Holt. 

Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook: Nur das Beste für Wettbewerber und Kunden im Sinn. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zu Wachstum verdammt

Expansion kostet Geld. Spotify hat angekündigt, im laufenden Jahr insgesamt bis zu 500 Millionen Dollar für Zukäufe ausgeben zu wollen. Das hat Folgen für die Bilanz und die Profitabilität. 2019 wird Spotify in der Verlustzone kleben bleiben und rechnet mit einem operativen Minus zwischen 200 und 360 Millionen Euro. Zum Jahresende 2019 prognostiziert Spotify bis zu 127 Millionen Abo-Kunden und bis zu 265 Millionen Nutzern insgesamt. Aktuell sind es 96 Millionen monatlich zahlende Abonnenten.

Apple Music kommt inzwischen auf rund 50 Millionen. Für den Boss Tim Cook, liegt in Abodiensten eine mögliche Zukunft für den iPhone-Hersteller. Erst vor wenigen Tagen kündigte Apple auch noch eine Offensive im Video-Streaming-Geschäft an. Der iPhone-Konzern arbeitet intensiv am Wandel des Geschäftsmodells.

Zum Vergleich: Spotifys Börsenwert liegt derzeit bei ungefähr bei 25 Milliarden Dollar. Apple machte im Geschäftsjahr 2018 insgesamt einen Gewinn von 59,5 Milliarden Dollar und verfügt über gigantische finanzielle Reserven. Allein die finanzielle Macht, mit der Apple in den Markt drängen kann, dürfte Spotify vor Probleme stellen, wenn Apple auf dem Streamingmarkt noch einen Zahn zulegt.

Regeln für das Internet

Kein Wunder also, dass man in der Spotify-Zentrale fieberhaft nach Möglichkeiten sucht, Apple auf Distanz zu halten – wenn nötig mit Hilfe der EU-Kommission.

Spotify, Stockholm

Spotify-Zentrale: Auch hier hat man nur das Beste für Wettbewerber und Kunden im Sinn. | Bildquelle: Unternehmen

Die Wettbewerbskommission ist jedenfalls sehr interessiert an diesem Fall. Zurzeit scheint die europäische Politik einen genaueren Blick auf das Wettbewerbsrecht und auf mögliche Regulierungen im Internet zu werfen. Wenigstens die Vorstellung soll irgendwann der Vergangenheit angehören, das Internet sei im Wesentlichen ein rechtsfreier Raum, in dem Großkonzerne walten wie sie wollen.

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Zehn Jahre Spotify Der Weg des Musikdienstes an die Börse

Spotify-Gründer Daniel Ek

7. Oktober 2008: Spotify geht online
2006 gründete Daniel Ek gemeinsam mit Martin Lorentzon das Start-up Spotify in Stockholm. Nach einem Lizenz-Deal mit den Musikkonzernen ging der Streamingdienst am 7. Oktober 2008 in mehreren europäischen Ländern online. Die Idee des sogenannten "Fremium"-Modells: Spotify-Nutzer können zum einen kostenlos mit Werbeunterbrechungen Musik hören. Außerdem gibt es die Bezahl-Variante, bei der die Abonennten aus Millionen Songs und verschiedenen Playlists werbefrei wählen können.