Spotify
Audio

Streamingdienst mit Milliarden-Börsengang Spotify, das nächste Netflix?

Stand: 04.04.2018, 07:54 Uhr

Mega-IPO in der Tech-Branche: Am Dienstag startete die Aktie des Musikstreaming-Dienstes Spotify mit fulminanten Kursgewinnen an die New Yorker Börse. Das Unternehmen wagte einen ungewöhnlichen Börsengang.

Mit 165,90 Dollar wurde der erste Kurs am Abend festgestellt. Er stieg im Handelsverlauf bis auf 169 Dollar. Damit lag die Aktie des Musik-Streamingdienstes 28 Prozent über der Orientierungsmarke der NYSE von 132 Dollar. Das 2006 gegründete schwedische Unternehmen ist nun mit einem Schlag fast 30 Milliarden Dollar wert.

Es ist der fünftgrößte Börsengang eines Technologieunternehmens, die wertvollste jemals erreichte Direktplatzierung. Nur die chinesische Alibaba, Facebook, Snapchat und Google hatten zum Start ihrer Aktien einen höheren Marktwert. Allerdings fiel der Kurs wieder zurück auf 149,01 Dollar zum Handelsende, womit das Plus auf knapp 13 Prozent schmolz.

Direktplatzierung statt klassischem IPO

Im frühen Börsenhandel hatte die erste Indikation für das Papier des Musik-Streamingdienstes noch zwischen 145 und 155 US-Dollar gelegen. In den folgenden sieben Indikationen ging es immer weiter nach oben.

Spotify hat sich für eine Direktplatzierung und gegen einen klassischen Börsengang entschieden, bei dem Aktien Investoren angeboten werden und abhängig vom Interesse ein Ausgabepreis ermittelt wird. Der offizielle Eröffnungskurs wird letztlich durch die Kauf- und Verkaufsaufträge der Interessenten und Anteilseigner bestimmt. Dadurch spart das schwedische Unternehmen Millionen an Gebühren für Berater-Banken.

Nur die Hälfte der Nutzer zahlt

Spotify ist in Sachen Musikstreaming der noch unangefochtene Weltmarktführer. Rund 71 Millionen zahlende Premium-Kunden kann das Unternehmen vorweisen, insgesamt nutzen den Dienst 159 Millionen Menschen, um sich - zumeist per Smartphone - gegen eine monatliche Gebühr mit Musik aller Art berieseln zu lassen.

Spotify-Nutzer in Mio.

Spotify-Nutzer in Mio.. | Bildquelle: Visual Capitalist, Grafik: boerse.ARD.de

Das große Vorbild für Unternehmensgründer und -Chef Daniel Ek ist das Videostreaming-Portal Netflix, das nach dem Börsengang mithilfe des frischen Kapitals seinen weltweiten Siegeszug fortsetzen und sich trotz aller Konkurrenz zum inzwischen profitablen Marktführer mausern konnte. Netflix ist ein Börsenschwergewicht mit einem Unternehmenswert von 130 Milliarden Dollar.

Unter dem Strich: Milliardenverlust

Beim Vergleich mit Netflix gibt es eine Reihe von Parallelen, aber auch wichtige Unterschiede. Genau wie Netflix schreibt auch Spotify zum Börsenstart rote Zahlen. Im vergangenen Jahr konnte zwar der Umsatz um 39 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar zulegen. Dabei hat das Unternehmen aber Nettoverluste von 1,4 Milliarden Dollar produziert. Das operative Geschäft hat dem Unternehmen Verluste in Höhe von 349 Millionen Dollar beschert. Auch im laufenden Jahr soll diese Ergebnisgröße mit 230 bis 330 Millionen Dollar im Minusbereich bleiben. Das ist offenbar der Preis des schnellen Wachstums, Marketing und Werbung kosten viel Geld. Und Spotify-Chef Ek will auf der Nutzerseite die Marke von 200 Millionen noch im laufenden Jahr übertreffen.

Spotify weiter in den roten Zahlen

Spotify weiter in den roten Zahlen. | Bildquelle: Visual Capitalist, Grafik: boerse.ARD.de

Ob Spotify allerdings jemals so profitabel werden kann wie Netflix, bezweifeln viele Experten. Denn der Musik-Streamingdienst vermarktet nun einmal Inhalte, deren Rechte bei den großen Musik-Studios und deren Künstlern liegen. Etwa drei Viertel der Einnahmen, die Spotify erwirtschaftet, gehen direkt an diese weiter. Und während Netflix längst eigene "Inhalte" in Form von TV-Serien oder Dokus produziert, wird Spotify auf absehbare Zeit im Abhängigkeitsverhältnis mit den Musikproduzenten bleiben.

Apple als Gegner Nummer eins

Genau wie Netflix hat es Spotify mit der harten Konkurrenz durch die Internet-Giganten zu tun. Apple, Amazon und Google haben ebenfalls Musikdatenbanken im Köcher, die den bestehenden Kunden angeboten werden, zum Streaming oder Download. Als gefährlichster Gegner kann dabei Apple Music gelten. Der Dienst des iPhone-Herstellers wuchs zuletzt deutlich schneller als Spotify, auf inzwischen rund 38 Millionen zahlende Nutzer. In den USA, so Marktexperten, könnte der Apple-Dienst die Schweden bereits in diesem Sommer überholen.

Musik-Streamingdienste

Musik-Streamingdienste. | Bildquelle: Visual Capitalist, Grafik: boerse.ARD.de

Und Apple ist aus einem weiteren Grund ein wichtiger Gegner für Spotify: Die Spotify-App muss neben dem Play-Store von Google auch über den Apple Store vertrieben werden. Damit bleibt ein Teil der Spotify-Erträge direkt bei den Betreibern der Plattformen, also Apple und auch Google, hängen.

Auf der Suche nach Erlösquellen

Für Spotify hängt damit vieles davon ab, ob neben einem weiteren Wachstum der zahlenden Kundschaft neue Erlösquellen aufgetan werden können. Dazu zählen etwa Werbe-Deals mit Promotern oder der Verkauf von Daten an Musiker, Plattenfirmen und Konzertveranstalter. Firmenchef Daniel Ek sieht Spotify dabei "erst in der zweiten Runde dieses Spiels. Die Möglichkeiten, die vor uns liegen, sind viel, viel größer als Sie denken".

AB/nb