Türme der Deutsche Bank und Commerzbank

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies Berlin sorgt sich um den Aktienkurs der Banken

Stand: 15.02.2019, 14:25 Uhr

Das hat es in der bundesdeutschen Geschichte so noch nie gegeben: Ein Staatssekretär sorgt sich um den Aktienkurs von Deutscher Bank und Commerzbank. Das nährt neue Spekulationen zum Thema Fusionen und Übernahmen.

Zwar legen die Aktien der beiden Frankfurter Banken heute überproportional zu, doch ob das auf die Aussagen von Finanzstaatssekretär Jörg Kukies zurückzuführen ist? Eher unwahrscheinlich.

Jörg Kukies, Bundesministerium der Finanzen

Jörg Kukies. | Bildquelle: Bundesministerium der Finanzen

Obwohl. Der SPD-Politiker und ehemalige Investmentbanker hat sich Zeitungsjournalisten gegenüber besorgt über den niedrigen Aktienkurs der heimischen Banken geäußert. "Deutsche Finanzinstitute sind gegenwärtig an der Börse ziemlich niedrig bewertet. Es gibt aber auch nach Börsenwert richtig große Banken aus China, den USA oder Frankreich", sagte Kukies der "Süddeutschen Zeitung". Die Deutsche Bank ist an der Börse gerade noch knapp über 15 Milliarden Euro wert, die Commerzbank rund acht Milliarden Euro.

Weit hinten auf den Ranglisten

Auf den Ranglisten der weltweit größten Geldhäuser rangieren sie damit sehr weit hinten, zwischen dem 40. und 50. Platz. Auch im europäischen Vergleich sind Deutsche Bank und Commerzbank inzwischen zu Fliegengewichten geschmolzen: Allein die französische Großbank BNP Paribas, vom Aufbau und der Struktur her vergleichbar mit der Deutschen Bank, bringt derzeit gut 51 Milliarden Euro auf die Waage. Und die Schweizer UBS, mit der sich die "Blauen" aus Frankfurt früher gern verglichen, ist heute 42,3 Milliarden Euro wert.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,19
Differenz relativ
-1,53%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,54
Differenz relativ
-0,79%

Trotz der historisch niedrigen Börsenbewertung müssen Deutsche Bank und Commerzbank derzeit kaum eine Übernahme fürchten. Dazu sind ihre Probleme schlicht zu groß, die Rendite viel zu gering.

Spekulationen genährt

Jörg Kukies antwortete auf die Frage, ob er die Gefahr sehe, dass Deutsche Bank oder Commerzbank von größeren Konkurrenten übernommen werden könnten, ausweichend: "In der Finanzwelt werden solche Entscheidungen von den Aktionären und Vorständen der Unternehmen getroffen, der Staat setzt den Rahmen."

Und dessen Ausgestaltung soll es Ausländern schwerer machen, eines der heimischen Geldhäuser zu schlucken. Seit Sommer werben Kukies, der zuvor Deutschlandchef von Goldman Sachs war, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) dafür, dass Europas größte Volkswirtschaft stärkere Banken brauche. Das nährt Spekulationen, die Politik dringe auf eine Fusion der beiden verbliebenen deutschen Universalbanken.

Zugeknöpfte Vorstandschefs

Die Bundesregierung steht nach eigenem Bekunden "wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber". Der Bund ist mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank. Kukies bestätigte, dass er im vergangenen Jahr 23 Mal mit Vertretern der Deutschen Bank gesprochen habe. "Mehr sage ich aber nicht dazu, sorry", fügte er hinzu.

Auch die Chefs der beiden Häuser, Sewing und Zielke, mochten in den letzten Tagen wenig bis gar nichts zum Thema Fusion sagen. Besonders die Deutsche Bank scheint derzeit bestrebt, aus eigener Kraft aus der Krise zu kommen als gemeinsam mit der Commerzbank. Fortsetzung folgt.

lg