Sony-Zentrale in Tokio

Japaner behalten Chip-Sparte Sony bietet aktivistischem Investor die Stirn

Stand: 17.09.2019, 16:24 Uhr

Daniel Loeb ist als Firmenschreck bekannt. So knöpfte er sich mit seinem Hedgefonds Third Point schon einige große Konzerne vor und strukturierte sie nach Belieben um. Bei Sony hat das nicht geklappt - zum zweiten Mal.

Sony ist der Forderung des aktivistischen Finanzinvestors zur Aufspaltung des Konzerns nicht nachgekommen und hat dem Hedgefonds stattdessen eine Absage erteilt. Die Chip-Sparte zu behalten, sei langfristig die beste Strategie, den Unternehmenswert zu steigern, teilte der Vorstandsvorsitzende Kenichiro Yoshida in einem Brief an die Aktionäre mit. Mittel- bis langfristig dürften die aus der Sparte generierten Mittel denn auch die darin nötigen Investitionen tragen.

Die Entscheidung dazu sei einstimmig ausgefallen. Das auf Bildsensoren ausgerichtete Halbleitergeschäft sei ein entscheidender Wachstumstreiber und stärke die Wettbewerbsfähigkeit. Dank den Bildsensoren sprudeln bei den Japanern derzeit die Gewinne. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 stieg der Nettoertrag um 18,4 Prozent auf 230,9 Milliarden Yen (umgerechnet 1,9 Milliarden Euro).

Die Anleger lässt der Schritt des Elektronikriesen eher kalt. Die Sony-Aktie kletterte am Dienstag zunächst etwas, ehe sie ins Minus drehte.

"Japanisches Kronjuwel und Technologie-Champion"

Der Hedgefonds Third Point des Investors Daniel Loeb hatte den Konzern aufgefordert, seine Chip-Sparte abzugeben. Sie sei ein "japanisches Kronjuwel und Technologie-Champion". Loebs Einschätzung nach sei der Bereich "Imaging & Sensing Solutions" sowie der gesamte Konzern unterbewertet.

Nach der Abspaltung sollte die eigenständige Sparte anschließend unter dem Namen "Sony Technologies" an die Börse in Japan gebracht und Sony selbst als "führendes globales Unterhaltungsunternehmen in eine neue Richtung gelenkt werden, so Loeb. Daneben empfahl der Investor den Verkauf der Anteile an Sony Financial, M3 Inc, Olympus und Spotify.

Mit der Entscheidung blockte Sony den aktivistischen Investor bereits zum zweiten Mal ab. Vor sechs Jahren hatte sich Loeb schon einmal mit gut sieben Prozent an Sony beteiligt. Damals drängte der Fonds den Konzern, das Filmstudio abzuspalten. Doch auch der damalige Chef Kazuo Hirai sagte Nein. Kurze Zeit später verkaufte Loeb seine Anteile wieder.

Der Firmenschreck

Nun probierte es der Investor aus New York erneut und investierte rund 1,5 Milliarden Dollar - doch auch im zweiten Anlauf schlugen seine Pläne fehl. Dabei ist Loeb eigentlich als Firmenschreck bekannt und einer der am meisten gefürchteten Männer der Wall Street. Gerade das macht ihn so erfolgreich.

Daniel Seth Loeb, CEO Thirdpoint

Daniel S. Loeb. | Bildquelle: Unternehmen

Auch wenn der Hedgefonds die schlechteste Performance seit vielen Jahren hingelegt hat, gehört Loeb weiter zu den erfolgreichsten Fondsmanagern. Im Jahr 2017 brachte es der 57-Jährige mit einem Verdienst von 400 Millionen Dollar in der Forbes-Liste bis auf Platz sechs der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager.

Aktivistische Investmentgesellschaften attackieren immer häufiger Firmen. Sie werden aktivistisch genannt, weil sie sich anders als normale Fondsgesellschaften aktiv ins Management einmischen. Die von Loeb gegründete Gesellschaft Third Point beteiligt sich an Unternehmen, um dann häufig einen Umbau der Konzerne und die Abspaltung nicht Gewinn bringender Geschäftsbereiche zu verlangen.

Erfolgreiche Attacken

Ziel solcher Forderungen war etwa der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, in den sich Third Point 2017 eingekauft hatte. Loeb forderte Nestlé-Chef Mark Schneider auf, die Beteiligung an L'Oréal zu veräußern und den Aktionären mehr Geld ausschütten.

Schneider wehrte zunächst das Ansinnen Loebs ab, kündigte dann aber doch ein riesiges Aktienrückkauf-Programm in Höhe von 20 Milliarden Franken (18 Milliarden Euro) an. Für Loeb wird es sich gelohnt haben - das Nestlé-Papier rauschte seitdem an der Schweizer Börse um fast 27 Prozent nach oben.

Außerdem mischte der Hedgefonds das renommierte Auktionshaus Sotheby's auf. Loeb nannte es ein "altes Meistergemälde, das dringend restauriert werden muss" und bezeichnete den Vorstandschef als inkompetent, der letztlich gehen musste. Auch bei Yahoo wurde der damalige Chef auf Drängen von Loeb gefeuert. Zuletzt kaufte sich Third Point beim weltgrößten Brillen- und Linsenhersteller EssilorLuxottica ein. Loeb gilt mittlerweile als milder und kooperativer - Sony wird es recht sein.

tb