Geplante Solarenergienutzung für das Neom-Projekt

Mehrere Hundert Prozent Plus Solar-Zockerei an der Börse

Stand: 25.09.2020, 12:05 Uhr

Kalifornien will schon in 15 Jahren keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Das elektrisiert die Anleger, denn der Sonenstaat setzt auch sonst voll auf erneuerbare Energien. Besonders zwei Aktien profitieren massiv.

So stiegen die Anteilsscheine von Sunworks an der Technologiebörse Nasdaq am Donnerstag um 239 Prozent auf 3,93 Dollar. Im Handelsverlauf waren die Aktien zeitweise sogar um 632 Prozent auf 8,50 Dollar geklettert.

Sunworks vertreibt Solarlösungen für Privathäuser, Agrar-, Dienstleistungs- und Industriebetriebe und öffentliche Auftraggeber. Unter anderem ist Sunworks auch ein offizieller “Tesla Powerwall Installer”, also ein Betrieb der Stromspeicherlösungen von Tesla vertreibt. Für seine Dienste wirbt das Unternehmen mit einer 25-Jahres-Garantie.

Offenbar gehen viele Anleger davon aus, dass durch mehr Elektroautos der Strombedarf und damit die Nachfrage nach Komponenten und Dienstleistungen rund um die Stromerzeugung und - speicherung steigt - insbesondere bei erneuerbaren Energien.

Lange werden die Kurskapriolen der Sunworks-Aktie wahrscheinlich nicht mehr lange andauern, denn das Unternehmen steht vor einer Übernahme durch die Peck Company Holdings, die bisher unter anderem auch in den Geschäftsfeldern aktiv ist, die wiederum Sunworks beackert. Auch die Peck-Aktie legte gestern an der Nasdaq massiv zu. Das Papier gewann 132 Prozent auf 7,90 Dollar.

Im Zuge des Zusammenschluss der beiden Unternehmen war eigentlich vereinbart worden, dass Sunworks-Aktionäre 0,185 Peck-Aktien je Sunworks-Anteil erhalten. Damit wäre eine Peck-Aktie also 5,4 mal so viel Wert wie eine Sunworks-Aktie. Gestern war eine Peck-Aktie aber noch doppelt so viel wert wie einen Sunworks-Aktie - auch unter anderem deshalb, weil Peck deutlich “weniger” als Sunworks hinzugewonnen hatte.

Amateure mischen kräftig mit

Die Entwicklung zeigt, dass derzeit sich gerade auch in den USA viele Marktteilnehmer - angelockt durch einen gnadenlosen Preiskampf bei den Broker-Transaktionsgebühren - an der Börse betätigen, die sich für Details wie zum Beispiel das Umtauschverhältnis bei dem angesprochen Unternehmenszusammenschluss nicht interessieren. Nur so lässt sich erklären, dass sich die Sunworks-Anteilsscheine deutlich besser entwickelten als die Peck-Papiere.

Vielleicht spielt auch einfach der Unternehmensname eine Rolle. Sunworks hört sich eben mehr nach erneuerbaren Energien an als Peck Company Holdings - fehlen hier die Wortbestandteile “Sun” oder “Solar”?

Derart ausgeprägte Kursbewegungen erscheinen angesichts des geplanten Verbrenner-Verbots erst im Jahr 2035 sowieso reichlich spekulativ. Und nicht nur deshalb: Beide Unternehmen sind in einer ziemlich umkämpften Branche unterwegs und weisen seit Jahren nur niedrige Bruttomargen und rote Zahlen aus.

Es muss was passieren

Kalifornien gilt als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und leidet durch die hohe Smog-Belastung in Metropolen wie Los Angeles und Waldbrände stark unter schlechter Luftqualität. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom beschrieb die geplanten Vorschriften am Mittwoch als wesentliche Maßnahme gegen den Klimawandel. "Autos sollten nicht Gletscher abschmelzen und Meeresspiegel ansteigen lassen" und damit die kalifornischen Strände und Küsten bedrohen, erklärte er. Auch stellte der Gouverneur einen Zusammenhang mit den gigantischen Busch- und Waldbränden her, die seit Wochen in dem Westküstenstaat wüten: "Unsere Autos sollten Waldbrände nicht schlimmer machen."

Zu viele Jahrzehnte lang hätten Autos "die Luft verschmutzen dürfen, die unsere Kinder und Familien atmen", sagte Newsom. Allerdings bedeutet die Verordnung nicht, dass in 15 Jahren keine Verbrenner mehr auf kalifornischen Straßen unterwegs sind. Die Einwohner Kaliforniens dürfen zuvor erworbene Benziner und Diesel auch darüber hinaus fahren oder gebrauchte Verbrenner verkaufen.

ME/AFP