Firmenschild vor der Zentrale der Software AG in Darmstadt

Aktionäre nehmen Reißaus Software AG schwächelt in der Cloud

Stand: 29.01.2020, 09:17 Uhr

Rückschlag für die Aktionäre der Darmstädter Software AG. Das Unternehmen hat am Morgen schwache Zahlen vorgelegt. Auch der Ausblick enttäuschte.

Im morgendlichen Xetra-Handel bricht die Aktie um über 13 Prozent ein. Grund ist laut Händlern eine "schockierende" Entwicklung im zukunftsträchtigen Cloud-Bereich.

Damit reagieren die Anleger auf schwächelnde Erlöse in den wichtigen Wachstumsfeldern mit Cloud-Software und dem Internet der Dinge (IoT). Offenbar zweifeln die Investoren, ob die Darmstädter das versprochene Wachstum in diesen Zukunftsfeldern jemals erreichen werden.

Ergebnis gesunken

Tatsächlich ist der Konzernumsatz leicht gestiegen, auf 890,6 Millionen Euro, nach 865,7 Millionen Euro im Vorjahr. Trotzdem schrumpfte das operative Ergebnis (Ebit) auf 214,8 Millionen Euro nach 231,6 Millionen Euro 2018.

Dabei sind die Einnahmen im Cloud- & IoT-Geschäft um 38 Prozent gestiegen auf 42,3 Millionen Euro. Wegen "zeitlicher Verschiebungen bei Vertragsabschlüssen" blieb das Wachstum aber unter den Erwartungen.

Trotzdem spricht die Unternehmensführung von "soliden Ergebnissen" und einem Gesamtumsatz im Rahmen der Erwartungen vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Konzernumbaus.

Marge bleibt unter Druck

Auch der Ausblick auf das Jahr 2020 enttäusche. Im Bereich Cloud & IoT soll der Auftragseingang laut Software AG das Vorjahr um 40 bis 60 Prozent übersteigen. Vor einigen Monaten habe hier die Zielspanne bei etwa dem Doppelten gelegen, hieß es von Händlerseite.

Was macht die Cloud so interessant?

Cloud-Anbieter stellen den Unternehmen oder Privatpersonen per Vermietung Rechenkapazitäten und Speicherplatz bereit, auf die sie über das Internet zugreifen können. Die Daten werden praktisch über eine bestimmte Software auf den Server eines Cloud-Anbieters hochgeladen und können dort auch wieder abgerufen werden. Es ist also so etwas wie eine Plattform für die IT-Abteilung. Für die Unternehmen besteht der Charme dieser Lösung darin, dass sie flexibler sind und Kosten sparen für die Pflege und Unterhaltung von eigenen Rechenzentren. Die Anbieter hingegen können mit langfristig planbaren Einnahmen rechnen.

Insgesamt erwartet das Management im laufenden Jahr eine weitere Verschlechterung der operativen Ergebnismarge (Ebita) auf höchstens 22 Prozent. Im vergangenen Jahr waren noch 24,1 Prozent erreicht worden. Für den Auftragseingang im Bereich Digital Business Platform (exkl. Cloud & IoT) werden 10 bis 15 Prozent Wachstum gegenüber Vorjahr erwartet.

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Software AG nach den Zahlen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 30 Euro belassen. Analystin Stacy Pollard rechnet in einer ersten Reaktion am Mittwoch mit einer negativen Kursreaktion auf die massiv gesenkten Margenprognosen.

lg