Software AG Zentrale in Darmstadt

Aktie bricht ein Software AG kassiert Prognose

Stand: 19.07.2019, 11:01 Uhr

Während Microsoft von einem Rekord zum anderen eilt, steckt die Darmstädter Software AG noch immer mitten im Umbruch und muss auch noch die Jahresprognose zurückschrauben. Das gefällt den Anlegern gar nicht.

Die im TecDax und im MDax notierte Aktie bricht am Vormittag um bis zu zehn Prozent ein. Dabei haben die Aktionäre des Softwareherstellers in letzter Zeit ohnehin nicht viel Freude an dem Papier gehabt, hat der Kurs doch über die vergangenen zwölf Monate gesehen um fast 30 Prozent nachgegeben.

Überraschend ist das nicht, denn die Software AG steckt mitten im Umbruch und bekommt vor allem ihre schwachen Vertrieb in den USA nicht in Griff. Der Konzern kann in seinem Geschäft mit Integrationssoftware weiter nicht von dem Trend zur Digitalisierung profitieren und schnitt hier im zweiten Quartal unerwartet schwach ab.

Rückläufige Einnahmen in der Digitalsparte erwartet

Auf Jahressicht wird in der DBP getauften Digitalsparte nun ohne die zukunftsträchtigen Cloudgeschäfte und das Programm zur Vernetzung von Maschinen kein Wachstum herausspringen, sondern womöglich ein spürbarer Rückgang.

Im zweiten Quartal ging in dem Bereich der Umsatz um vier Prozent auf 97,5 Millionen Euro zurück. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg auf gut 104 Millionen Euro gerechnet. Das Minus liege am laufenden Umbau des Vertriebs in Nordamerika, hieß es vom Konzern.

Probleme in den USA

"Während nicht alle von der Transformation betroffenen Bereiche im gleichen Tempo Fortschritte machen, insbesondere in Nordamerika, haben wir klare Pläne und Verantwortlichkeiten umrissen, um diese Herausforderungen anzugehen", sagte Vorstandschef Sanjay Brahmawar. Schon im ersten Quartal hatten die Geschäfte vor allem in den USA enttäuscht. Allerdings lägen die Ursachen für die Probleme nicht am Produkt, sondern am Vertrieb.

Insgesamt legten die Erlöse der Software AG im abgelaufenen Jahresviertel um rund zwei Prozent auf 210 Millionen Euro zu. Weil das relativ junge Geschäft mit Diensten aus der Cloud und zur Vernetzung von Maschinen stark wuchs und auch das angestammte Datenbankgeschäft wieder mehr erlöste als erwartet, traf die Software AG damit die Umsatzschätzungen von Experten auf Konzernebene.

Neuer Kurs eingeschlagen

Software AG-Chef Sanjay Brahmawar

Sanjay Brahmawar. | Bildquelle: Software AG

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) sank um neun Prozent auf 56,1 Millionen Euro, was im Rahmen der Erwartungen lag. Die entsprechende Marge sackte von fast 30 Prozent vor einem Jahr nun auf 26,7 Prozent ab. Unter dem Strich fiel der Gewinn um sieben Prozent auf 33,4 Millionen Euro.

Der seit vergangenen Sommer amtierende Brahmawar hat dem Konzern einen neuen Kurs verordnet. Durch einen Umbau von Strukturen und eine stärkere Verlagerung auf Mietsoftware ab 2020 will der Manager den Konzern wieder auf die Wachstumsschiene führen. Mittelfristig soll das Unternehmen bis 2023 im schwächelnden Digitalgeschäft um jährlich im Schnitt mehr als zehn Prozent wachsen, der Anteil wiederkehrender Erlöse soll hier auf 85 bis 90 Prozent des Umsatzes steigen. Zunächst werden die Weichenstellungen aber Geld kosten.

lg/dpa-AFX