Software AG Zentrale in Darmstadt

Gemischte Zahlen vorgelegt Software AG: Hackerattacke eingedämmt - vorerst

Stand: 21.10.2020, 11:39 Uhr

Die Anfang Oktober von einem Hackerangriff geschwächte Darmstädter Software AG hat im dritten Quartal ein schwächeres Ergebnis erzielt als gedacht. Dennoch hält das Unternehmen an seiner Jahresprognose fest.

Vorstandschef Sanjay Brahmawar sagte, die Folgen des Anfang Oktober erlittenen Hackerangriff habe das Unternehmen zwar eingedämmt, doch seien von den Angreifern erbeutete Daten inzwischen an die Öffentlichkeit gelangt. Auch seien zur Bekämpfung der Hackerattacke bisher Kosten von rund fünf Millionen Euro angefallen.

Dienstleistungen für Kunden mussten trotz der schwerwiegenden Störung durch den Angriff nicht unterbrochen worden, die Geschäfte hätten in allen wesentlichen Belangen fortgeführt werden können, versicherte der Vorstand. Aus dem dritten Quartal konnten die Darmstädter aber dennoch vorerst nur Eckdaten zu den Geschäftszahlen vorlegen.

Höhere Aufträge

Bei den Auftragseingängen, die das Volumen abgeschlossener Verträge beschreiben, konnte die Software AG bessere Zahlen vorweisen. Zwischen Juli und Ende September heimste die Sparte für Integrationssoftware (DBP ex Cloud/IoT) währungsbereinigt zwischen drei und fünf Prozent mehr Auftragsvolumen ein als vor einem Jahr.

Die relativ junge Sparte für die Cloud und die Maschinenvernetzung legte zwischen 57 und 64 Prozent zu. Bei der angestammten Datenbanksoftware (A&N) fiel der Rückgang zum starken Vorjahresquartal nicht so arg aus wie befürchtet.

Ergebnis und Umsatz brechen ein

Doch die Investitionen in den derzeit laufenden Umbau hin zu mehr Wachstum gehen weiter ins Geld. Brahmawar hatte die Vertriebsteams in Nordamerika, Asien und Europa gestärkt, außerdem steckt der Konzern mehr Geld in Werbung und Partnerschaften.

Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) für das Quartal erwartet das Management deshalb nur 28 bis 32 Millionen Euro, nach 68,4 Millionen im Vorjahr. Die operative Marge dürfte demzufolge bei 16 bis 17 Prozent liegen - noch weniger als von Analysten geschätzt.

Auch beim Umsatz ging es weiter bergab. Er dürfte zwischen Juli und Ende September auf 180,5 bis 185 Millionen Euro gesunken sein - bis zu einem Fünftel weniger als ein Jahr zuvor und auch weniger als erwartet. Der Vorstand stellt den Konzern derzeit auf Abonnementmodelle um. Weil dadurch größere Einmalbeträge entfallen, habe dies die Einnahmen belastet, so das Management.

Analysten sind skeptisch

Die im MDax und TecDax notierte Aktie legte im vorbörslichen Handel zunächst zu, drehte im regulären Handel aber ins Minus. Dabei hat der Hackerangriff die Aktie bereits knapp 20 Prozent ihres Wertes gekostet.

JPMorgan-Analystin Stacy Pollard bezeichnete das Zahlenwerk als "gemischt". Der Auftragseingang sei solide ausgefallen, Umsatz und Ergebnis hingegen schwach. Die Schwäche und Schwankungsbreite bei Erlösen und Gewinnen sowie die andauernden Untersuchungen des Hackerangriffs ließen zumindest Raum für Unsicherheit, so die Expertin. Das Investmenthaus Bryan Garnier hat die Einstufung für Software AG sogar auf "Sell" mit einem Kursziel von 36 Euro belassen.

lg