SoftBank-Chef Masayoshi Son vor SoftBan Vision Fund 1-Display

Riskante Investments im Tech-Sektor Softbank: Zu hoch gewettet?

Stand: 08.09.2020, 14:40 Uhr

Die Aktie der japanischen Beteiligungsgesellschaft ist in schwieriges Fahrwasser geraten. Das Unternehmen hat offenbar massiv in US-Technologieaktien investiert und dabei ungewohnte Risiken in Kauf genommen. Investoren sind hoch nervös.

Wenn die US-Börsen heute nach dem Feiertag "Labor day" verspätet in die Börsenwoche starten, werden Investoren besonders auf Technologietitel und auf die Aktie der Softbank im US-Handel schauen. Zum Wochenbeginn war der Titel bereits deutlich gefallen, das gerade noch erreichte Rekordhoch der Aktie ist erst einmal wieder auf Distanz.

Riskantes Spiel mit Optionen

Am Finanzmarkt werden mehrere Medienberichte argwöhnisch beäugt. Sowohl das "Wall Street Journal" also auch die "Financial Times" hatten berichtet, dass die Beteiligungsgesellschaft unter ihrem Chef und Gründer Masayoshi Son sich massiv in Investments in US-Technologieaktien gestürzt hat. Dies soll aber nicht nur durch den Kauf der entsprechenden Anteile direkt erfolgt sein. Laut den Berichten hat das Unternehmen auch über Call-Optionen auf den weiteren Kursanstieg von Amazon, Apple & Co. gesetzt.

Dadurch hat die Softbank zwar wohl derzeit noch Buchgewinne in Milliardenhöhe erzielt, aber ein für das Unternehmen nicht übliches Risiko eingegangen. Denn mit den Call-Optionen wird auf den Kursanstieg von Aktien zu einem bestimmten Termin gewettet, zudem "hebeln" die Derivate den Kurs der Basiswerte, also der zugrundeliegenden Aktien. Geht die Wette nicht auf, kann die Position tief in der Verlustzone enden. Im Fall der Tech-Wetten scheint die Softbank auf der richtigen Seite zu stehen, laut der "Financial Times" befinden sich noch nicht realisierte Gewinne in Höhe von vier Milliarden Dollar auf der Habenseite des Beteiligungsunternehmens. Allerdings kann der Markt der "Zock" auch sehr schnell einen Strich durch die Rechnung machen. In der vergangenen Woche waren Tech-Werte nach der Rally der vergangenen Monate jäh gefallen.

Marktbewegungen verstärkt?

Die Investments der Softbank könnten eine Größe haben, die diese Tech-Rally sogar mit angetrieben hat, weil das Unternehmen auf der Nachfrageseite nach den Aktien die Kurse möglicherweise selbst noch befeuert hat. Sollte es nun an der Nasdaq deutlicher nach unten gehen, könnten Verkäufe der Derivate durch die Softbank die Abwärtsbewegung ebenfalls beschleunigen, so die Befürchtung auf dem Parkett.

Für Softbank-Macher Son ist der Einsatz von derivativen Anlageinstrumenten eine neue Strategie, die ihn durchaus auch Vertrauen auf Investorenseite kosten könnte. Laut den Medienberichten ist sie auch innerhalb der Unternehmensführung umstritten. Bislang hatte sich die Beteiligungsgesellschaft einen Namen durch strategische Investments mit längerer Haltedauer gemacht. Dazu gehörten etwa Anteile an der chinesischen Alibaba oder dem britischen Chip-Spezialisten ARM. Auch an der Telekom-Tochter T-Mobile US und Wirecard war man beteiligt.

Zuletzt hatte die Softbank mit Investments in den Büroflächen-Vermarkter WeWork und den Fahrdienstvermittler Uber daneben gelegen und deutliche Verluste erzielt.