Wirecard Zentrale

Softbank kehrt Wirecard den Rücken

Stand: 03.07.2020, 08:48 Uhr

Immer weitere Geschäftspartner wenden sich von Wirecard ab. Jetzt beendet auch die japanische Softbank-Holding die Zusammenarbeit. Das an Zukunftsthemen interessierte Unternehmen sieht offenbar keine Zukunft mehr für Wirecard.

Der unter Manipulationsverdacht stehende Dax-Konzern Wirecard verliert wegen seines Bilanzskandals den wichtigsten Partner für große Zukunftsprojekte. Der japanische Softbank-Konzern beendet die Kooperation mit dem am Abgrund stehenden Bezahldienstleister, wie es am Donnerstag in informierten Kreisen hieß.

Die im April 2019 verkündete Partnerschaft hatte zwei wesentliche Bestandteile: Eine dreistellige Millioneninvestition der Japaner und die Vermittlung neuer Geschäftsmöglichkeiten, -partner sowie Kunden an Wirecard. Eine offizielle Stellungnahme von Softbank gab es nicht.

Unter der Regie ihres Chefs Matayoshi Son beteiligt sich Softbank rund um den Globus an Start-ups und Zukunftstechnologien. Softbank wollte Wirecard unter anderem beim Markteinstieg in Japan und Südkorea behilflich sein.

SoftBank-Chef Masayoshi Son

SoftBank-Chef Masayoshi Son. | Bildquelle: Imago

Kluge Strategie von Softbank

Darüber hinaus waren Geschäftspartnerschaften von Wirecard mit mindestens sechs Firmen angedacht, in die Softbank investiert hat: der südostasiatische Fahrdienst Grab, der US-Mobilfunkanbieter Sprint, der ebenfalls in den USA ansässige Mobilfunkdienstleister Brightstar, die Autohandelsplattform Auto1 und die Tourismusplattform GetYourGuide, beide in Deutschland ansässig, sowie die indische Hotelkette Oyo.

Grab, Auto1 und GetYourGuide bestätigen auf Anfrage, dass keine Zusammenarbeit mit Wirecard mehr geplant ist, die drei anderen Unternehmen ließen Anfragen unbeantwortet, berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Softbank wollte außerdem 900 Millionen Euro in Wirecard investieren, mit der Option, in fünf Jahren wichtiger Aktionär zu werden. In dem japanischen Unternehmen kamen jedoch kurze Zeit später Bedenken auf, nachdem die britische "Financial Times" mehrfach über Bilanzfälschungsverdacht bei Wirecard berichtet hatte.

Softbank hatte die angekündigten 900 Millionen Investition in Wirecard daher nicht mehr mit Geld des hauseigenen Vision Fund finanziert, sondern mit Hilfe externer Geldgeber. Von daher drohen Softbank nach den Angaben auch keine finanziellen Verluste.

ts/dpa-AFX