Softbank-Direktor Ken Miyauchi läutet die Glocke an der Tokioter Börse
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Mobilfunktochter von Softbank Enttäuschendes Börsendebüt in Tokio

Stand: 19.12.2018, 09:25 Uhr

Was für ein Wagnis, mitten im Bärenmarkt einen solch gigantischen Börsengang durchzuführen: Der Technologiekonzern Softbank hat es trotzdem getan. Der für seine gleichnamige Mobilfunktochter anvisierte Ausgabepreis war den Anlegern aber zu teuer.

Das unter dem Namen SoftBank Corp notierte Unternehmen ging am Morgen an der Tokioter Börse bei 1.282 Yen und damit um mehr als 14 Prozent unterhalb des Ausgabepreises von 1.500 Yen aus dem Handel. 2,65 Billionen Yen (20,7 Milliarden Euro) nahm der Konzern ein. 36,85 Prozent der Anteile wurden in Tokio gelistet. Softbank wird damit die Kontrolle behalten. Das Telekommunikationsgeschäft gilt als die Geldmaschine der Softbank-Gruppe. Es war der bisher größte Börsengang in Japan.

Der schwache Börsenstart drückte auch auf den Gesamtmarkt in Tokio. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte schloss erstmals seit neun Monaten unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 21.000 Punkten bei 20.987,92 Punkten. Das ist ein Minus von 127,53 Punkten oder 0,6 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages.

Geldspritze aus Saudi-Arabien

Der Milliardär Masayoshi Son treibt mit der Mega-Platzierung die Neuausrichtung seines Imperiums voran. Der als Mobilfunk-Anbieter groß gewordene Konzern agiert inzwischen verstärkt als Technologie-Investor. Unter anderem mit einer massiven Geldspritze aus Saudi-Arabien setzte Son den rund 100 Milliarden Dollar schweren Vision Fund für Investitionen in Technologie-Unternehmen auf.

Der Fonds stieg unter anderem bei Uber und anderen Fahrdienst-Vermittlern ein. Anteile besitzt Softbank auch an Robotikfirmen wie Aldebaran oder Boston Dynamics, dem Konzern gehört der Halbleiterhersteller ARM, und ist größter Aktionär von Alibaba. Nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul wurde vermehrt kritisiert, dass sich Softbank so stark auf Geld aus dem Königreich verlässt.

Preiskrieg im Mobilfunkgeschäft

Der Softbank-Gründer braucht zugleich neue Geldquellen, um weiter investieren zu können. Er wolle die durch den Börsengang der Mobilfunktochter erzielten Mittel nutzen, um weiter in den Vision Fund zu investieren sowie um Schulden zurückzahlen, erklärte Son.

Der schwache Börsenstart spiegelt Sorgen der Investoren bezüglich der Aussichten für Softbanks Mobilfunkgeschäft wider: Der Tochter droht nämlich ein Preiskrieg. Japans Regierung drängt die heimischen Mobilfunkbetreiber, die Preise zu senken. Der größte Anbieter des Landes, NTT Docomo, kündigte bereits Verbilligungen um 40 Prozent an.

lg/dpa