Wirecard

Positive Reaktionen auf Konzernumbau So will Wirecard Vertrauen zurückgewinnen

Stand: 11.05.2020, 11:11 Uhr

Der unter Druck stehende Zahlungsabwickler Wirecard hat sich durch den am Freitagabend verkündeten Konzernumbau etwas Luft verschafft und professioneller aufgestellt. Die Anleger sind erfreut.

Zu Handelsbeginn legte die Wirecard-Aktie im Xetra-Handel der Frankfurter Börse um bis zu zwölf Prozent zu. Im weiteren Verlauf musste sie zwar einen Teil der Gewinne wieder abgeben, blieb aber der mit Abstand stärkste Wert im Dax. Damit reagieren die Anleger auf den am Freitagabend verkündeten Umbau des Vorstands. Besonders die Einrichtung eines Compliance-Ressorts wird als ernsthafter Versuch gedeutet, das Unternehmen professioneller zu führen als in der Vergangenheit. Durchgesetzt hat der Aufsichtsrat außerdem, dass die internen Kontrollsysteme bei Wirecard überprüft werden.

Geleitet werden soll die neue Compliance-Abteilung, die für die Einhaltung von Gesetzen und Regeln zuständig sein wird, von dem 49-jährigen James Freis. Der Amerikaner soll am 1. Juli seinen Posten antreten. Er war zuvor in den USA leitender Regierungsbeamter und zuständig für die Regulierung von Finanzinstitutionen. Der Jurist hat auch für die Federal Reserve Bank of New York sowie für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gearbeitet.

Analysten sind angetan

Analyst Stéphane Houri von der Investmentbank Oddo BHF sprach von einer Botschaft der Glaubwürdigkeit. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser bezeichnete den Vorstandsumbau als einen Schritt in die richtige Richtung. Die Einrichtung eines Compliance-Ressorts sollte helfen, die internen Kontrollsysteme zu stärken, schrieb Analyst Simon Bentlage am Morgen. Vernünftig erscheine auch, dass Konzernchef Markus Braun aus der Schusslinie genommen werde und sich künftig auf die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens konzentriere.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,59
Differenz relativ
-2,93%

Commerzbank-Analystin Heike Pauls sprach von einer "bahnbrechenden Neuigkeit" und sagte, die Ernennung eines neuen Compliance-Ressorts sei von hoher symbolischer Wichtigkeit. Freis habe einen makellosen Lebenslauf. Pauls empfiehlt die Wirecard-Aktie deshalb weiter zum Kauf mit dem ungewöhnlich ambitionierten Kursziel von 230 Euro - dem zweieinhalbfachen des derzeitigen Wertes.

Neben der Gründung eines Compliance-Ressorts soll der Vorstand um zwei weitere Sitze auf dann insgesamt sieben erweitert werden. Dabei geht es um die Einrichtung eines Vertriebsressorts, Chief Commercial Officers. Auch soll das ebenfalls für das Tagesgeschäft zuständige Ressort des Chief Operating Officer in seinen Zuständigkeiten neu aufgestellt und unter eine neue Leitung gestellt werden. Die in den vergangenen Jahren ebenfalls oftmals kritisierte Finanzmarktkommunikation soll überdies direkt beim Finanzchef Alexander von Knoop angesiedelt werden.

Deka bleibt bei Rücktrittsforderung

Wirecard-Chef Braun wird sich den Angaben zufolge künftig auf die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens konzentrieren. Aufsichtsratschef Eichelmann, der erst im Januar Wulf Matthias an der Spitze des Kontrollorgans abgelöst hatte, versucht damit eine Neuordnung und breitere Verteilung der Macht, ohne sich von Braun zu trennen.

Dessen Rücktritt fordert die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka. Braun sei der Hauptverantwortliche für den Vertrauensverlust am Kapitalmarkt. Dieser lasse sich nur reparieren, indem ein anderer den Chefposten übernehme, so Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka. Das habe die Fondsgesellschaft dem Wirecard-Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Eichelmann im Laufe dieser Woche mitgeteilt.

Mit der angekündigten neuen Struktur im Vorstand starte Wirecard zwar mit den notwendigen Aufräumarbeiten. "Wenn weiterhin alle Machtstrukturen auf Braun ausgerichtet sind, ist das aber nicht der Befreiungsschlag für Wirecard." Bis zur Hauptversammlung Anfang Juli müsse Wirecard für Aufklärung der Bilanzfälschungsvorwürfe sorgen.

lg