Zoom, Videokonferenz

Elon Musk verbietet Nutzung So unsicher ist Zoom

Stand: 02.04.2020, 11:46 Uhr

Videokonferenzanbieter gelten in Zeiten von vermehrtem Home-Office als Krisengewinnler. Das gilt besonders für die US-Firma Zoom. Doch deren Angebot stößt an Grenzen - und offenbart gefährliche Lücken.

Nutzer der Videokonferenz-App Zoom bekamen in den letzten Tagen plötzlich ungebetenen Besuch - und nannten es "Zoombombing". Es ist der Moment, in dem Fremde in Videokonferenzen reinplatzen.

Das ist möglich, wenn der Link für die jeweilige Konferenz öffentlich wird und die Teilnehmer nicht erst im virtuellen Warteraum landen und vom Organisator hinzugefügt werden. So wurden allein in den USA mehrere Fälle bekannt, in denen Schulstunden und Zoom-Gottesdienste mit Beschimpfungen und dem Vorzeigen von Nazi-Symbolen gestört wurden.

Nicht alle Daten sind verschlüsselt

Und das ist noch nicht alles. Zoom musste einräumen, dass die Daten nicht in allen Fällen mit Komplett-Verschlüsselung übertragen werden, bei der sie nur für die Teilnehmer zugänglich sind. Das funktioniere verlässlich nur, solange alle in einer Konferenz Zoom-Software nutzen. Wähle sich jemand per Telefonanruf ein, könne die Verschlüsselung des Dienstes dort nicht gewährleistet werden. Zugleich betonte Zoom, man habe keine Technik entwickelt, um die Verschlüsselung von Konferenzen für die Überwachung durch Behörden zu knacken.

Auch die investigative Nachrichtenseite "The Intercept" berichtete, dass Zoom-Videos keine End-zu-End Verschlüsselung zwischen den Nutzern haben und dass das Unternehmen Sitzungen einsehen könnte. Eine gravierende Sicherheitslücke.

Zugriff für SpaceX-Mitarbeiter deaktiviert

Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX hat daraufhin seinen Mitarbeitern die Verwendung von Zoom unter Hinweis auf "erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsbedenken" verboten. Der Zugriff auf Zoom wurde deshalb schon am vergangenen Wochenende deaktiviert.

"Wir verstehen, dass viele von uns dieses Tool für Konferenzen und Meeting-Support verwendet haben", so SpaceX in der Mitteilung. "Bitte verwenden Sie E-Mail, Text oder Telefon als alternative Kommunikationsmittel."

Auch die NASA schließt Zoom aus

Auch die NASA, einer der größten Kunden von SpaceX, untersagt ihren Mitarbeitern die Verwendung der Plattform, sagte Stephanie Schierholz, eine Sprecherin der US-Raumfahrtbehörde. Das FBI-Büro in Boston gab am Montag eine Warnung über Zoom heraus und wies die Nutzer an, keine Besprechungen auf der Website öffentlich zu stellen.

Inzwischen sollen die gröbsten Sicherheitslücken gestopft worden sein, wie Firmenchef Eric Yuan am Morgen in einem Blogeintrag schrieb. Zudem entfernte Zoom die Funktion, die dem Organisator einer Videokonferenz erlaubte, zu kontrollieren, welche Teilnehmer die App im Vordergrund haben und welche sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Dämpfer für den Aktienkurs

Zoom wurde für den Einsatz in Unternehmen entwickelt, in der aktuellen Krise sprangen aber auch in großem Stil Schulen, Kirchen und Verbraucher auf den Dienst auf. Dadurch seien im März bis zu 200 Millionen Nutzer an einem Tag aktiv gewesen, schrieb Yuan. Die neue Art der Nutzung habe "unvorhergesehene Probleme mit unserer Plattform" zu Tage gefördert, räumte der Firmenchef ein.

An der Börse musste die Zoom-Aktie deshalb einen Dämpfer hinnehmen. Der Kurs sackte von 164,50 Dollar am 23. März, also kurz vor Bekanntwerden der Sicherheitslücken, auf zuletzt 137 Dollar ab. Trotzdem hat das Papier seit Beginn der Krise Anfang Februar um zeitweise mehr als 100 Prozent zugelegt. Nach dem Rücksetzer der letzten Tage bleibt immer noch ein Plus von 75 Prozent innerhalb von zwei Monaten.

lg