Ein Mitarbeiter poliert die Haube eines Mercedes CSL in einer Ausstellung in Nanjing
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Leidtragender des Handelskonfliktes Gewinneinbruch bei Daimler – das sind die Schuldigen

Stand: 26.07.2018, 15:09 Uhr

Der Stuttgarter Autobauer hat im zweiten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch erlitten. Schuld daran war Donald Trump - aber nicht nur...

Nun haben es die Daimler-Anleger schwarz auf weiß: Der Handelsstreit hat dem Stuttgarter Autobauer ordentlich Geld gekostet. Der auf die Aktionäre entfallene Gewinn sackte im zweiten Quartal um 29 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro ab.

Schlechter als erwartet

Auch bei anderen wichtigen Kennziffern blieb Daimler hinter den Erwartungen des Marktes zurück: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 30 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Analysten hatten ein Ebit von 2,77 Milliarden Euro prognostiziert. Der Umsatz schrumpfte um ein Prozent auf 40,8 Milliarden Euro, während der Markt mit 42 Milliarden Euro kalkuliert hatte.

Auf der Suche nach Schuldigen für diese desaströse Quartalsbilanz wird man schnell fündig. Da ist zuvorderst Donald Trump zu nennen. Der US-Präsident hat mit seiner aggressiven Handelspolitik chinesische Gegenmaßnahmen provoziert, darunter höhere Zölle für Autos aus den USA.

Hohe Rabatte auf SUVs

Daimler stellt in den USA in großem Stil Fahrzeuge auch für den Weltmarkt her, rund zwei Drittel gehen in den Export. Im vergangenen Jahr liefen in den US-Werken knapp 290.000 Fahrzeuge bei Daimler vom Band, darunter auch die in China sehr begehrten großen Geländewagen (SUV).

Daimler musste auf diese SUVs in China daher hohe Rabatte geben. Das drückte erwartungsgemäß den Gewinn.

Daimler-Chef Dieter Zetsche vor chinesischer Flagge in Beijing

Dieter Zetsche hatte in China im zweiten Quartal kein leichtes Spiel. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hausgemachte Probleme

Doch das waren nicht die einzigen Sonderbelastungen, mit denen Daimler im zweiten Quartal zu kämpfen hatte: hohe Kosten für den Vergleich im Rechtsstreit um das Lkw-Mautsystem Toll Collect, ein Feuer bei einem Zulieferer in den USA und Probleme mit dem neuen Abgastestverfahren WLTP, das vom 1. September an verkaufte Autos bestanden haben müssen, drückten den Gewinn.

Zudem habe der Auslieferungsstopp bei einigen Diesel-Modellen Geld gekostet, hieß es. Die Probleme würden auch im dritten Quartal im Ergebnis der Pkw-Sparte den Gewinn belasten.

Aktie erholt sich

Daimler bestätigte seine kürzlich gesenkte Ergebnisprognose. Ende Juni hatten die Stuttgarter mit ihrer Gewinnwarnung die Autobranche aufgeschreckt. Die Aktie war in der Folge bis auf ein Zwei-Jahres-Tief von 54,78 Euro eingebrochen.

Seither arbeitet sie an ihrer Bodenbildung. Rückenwind kommt heute dabei von politischer Seite. Die Aktie zog heute trotz des ernüchterndes Quartalsberichts im frühen Xetra-Handel um knapp drei Prozent auf rund 59,50 Euro an. Daimler profitierte vom Trump-Juncker-Deal am Mittwochabend. Demnach soll es vorerst keine US-Zölle auf importierte europäische Autos geben.

Aus fünf mach drei

Am Nachmittag kündigte Daimler eine neue Konzernstruktur an: Das Stuttgarter Unternehmen soll in die drei rechtlich selbständige Einheiten Mercedes-Benz, Truck und Mobility aufgeteilt werden.. Die einmaligen Kosten für den Umbau
bezifferte Daimler bis 2020 auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Insgesamt lassen sich die Schwaben die Operation rund eine Milliarde Euro kosten. Bisher besteht der Konzern aus fünf Divisionen.

ag/ nb

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