Blaues Schild mit weißem Walmart-Schriftzug und gelbem Logo

Neue, alte Konkurrenz für den Tech-Riesen So clever bietet Walmart Amazon die Stirn

von Angela Göpfert

Stand: 20.02.2018, 12:36 Uhr

Die ganze Shopping-Welt wird beherrscht von Amazon. Die ganze Welt? Nein. Ein unbeugsamer Einzelhändler in den USA hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Der stationäre Einzelhandel ist tot! Es lebe Amazon! Das Jahr 2017 hat solche Schlagzeilen zuhauf produziert. Doch die Wahrheit ist wie immer viel spannender und bunter, als es eine solch plakative Schwarz-Weiß-Malerei vermuten lässt.

Das zeigt schon ein Blick auf die Aktienkursentwicklung von Walmart: Die Aktie des traditionsreichen US-Einzelhandelskonzerns schnellte 2017 um stolze 43 Prozent in die Höhe. An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Wie kommt es, dass ein quasi totgesagtes Unternehmen bei den Investoren so reüssieren kann?

Totgesagte leben länger

Ganz einfach! Die Tage des 1962 von Sam Walton gegründeten Unternehmens sind noch lange nicht gezählt. Walmart hat nämlich den Fehdehandschuh aufgenommen, den Amazon ihm hingeworfen hat – und macht dem Platzhirsch im Onlinegeschäft nun mächtig Konkurrenz.

Im vierten Quartal kletterten die Online-Verkäufe bei Walmart zwar nur 23 Prozent. Doch im laufenden Geschäftsjahr 2018 soll der E-Commerce-Umsatz um 40 Prozent steigen.

Black Friday bei Walmart in Bentonville, Arkansas

Walmart macht nicht nur im stationären Einzelhandel gute Geschäfte. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Möge die Macht der Cloud mit Euch sein!

Walmart vertraut dabei auf die Macht der Cloud: Dank einer eigenen gigantischen Server-Farm kann das Unternehmen neuerdings viel schneller auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren und seine Lager- und Preispolitik entsprechend anpassen. Auch können die Kunden besser mit speziell auf sie zugeschneiderten Angeboten geködert werden.

Wen das an Amazons Prime-Strategie erinnert, der liegt goldrichtig. Doch was soll's?! Einige der größten Konzerne der Welt sind durch gelungene Kopien guter Ideen groß geworden. Siehe Facebook, Alibaba und Tencent.

Startup-Mentalität für einen Traditionskonzern

Den Grundstein für seinen aktuellen Erfolg legte Walmart bereits 2016, als es den Onlinehändler Jet.com für 3,3 Milliarden Dollar kaufte. Die wohl wichtigste Übernahme war aber die von Jet.com-Gründer Marc Lore, den Walmart kurzerhand zum Chef seiner Online-Sparte machte.

Lore brachte die Startup-Mentalität mit sich, die es brauchte, um aus dem angestaubten stationären Einzelhändler eine ernst zu nehmende Größe im Online-Geschäft zu machen.

"Big in Japan"

Denn auch ein Tech-Goliath wie Amazon ist nicht unverwundbar. Vor allem im Ausland ist noch ordentlich Platz für Konkurrenz. Genau hier setzt Walmart an. Im Januar kündigte Walmart über seine Tochterfirma Seiyu eine Partnerschaft mit Japans größtem Online-Händler Rakuten an.

Der neue Lebensmittellieferservice "Rakuten Seiyu Netsuper" soll bereits im dritten Quartal 2018 in Japan an den Start gehen. Und noch im Laufe dieses Jahres will Walmart Ebooks, Hörbücher und E-Reader der Rakuten-Tochter Kobo in den Vereinigten Staaten verkaufen – und so in Amazons Garten wildern.

Junge Frau mit Kobo eBook

Ob der Kobo-Ebook-Reader Amazons Kindle das Wasser reichen kann?. | Bildquelle: Imago

Weltweite Bündnisse gegen den Erzfeind

Auch in China suchte Walmart jüngst das Bündnis mit einer lokalen Größe. Im Rahmen einer Partnerschaft mit dem chinesischen Online-Händler JD.com bietet Walmart nun für 140 Filialen die Auslieferung von Waren binnen nur einer Stunde an.

Zuletzt verdichteten sich zudem die Gerüchte, dass Walmart beim indischen Amazon-Rivalen Flipkart einsteigen könnte. Laut Insidern will sich der US-Einzelhandelsriese einen Anteil von mehr als 40 Prozent an dem E-Commerce-Unternehmen sichern.

Wer hat Angst vor Jeff Bezos?

Eines ist aber auch klar: Die Konfrontationsstrategie von Walmart-Chef Doug McMillon ist kein Selbstläufer. Das boomende Online-Geschäft sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Walmarts Gesamtumsatz nur im niedrigen einstelligen Bereich wächst, während Amazon hier mit einer Rate von rund 30 Prozent punkten kann.

Jeff Bezos

Jeff Bezos, der reichste Mann der Welt. | Bildquelle: Unternehmen

Fakt ist auch: Sollte Walmart im Online-Geschäft weiterhin solchen Erfolg haben, dürfte das Amazon keinesfalls einfach so hinnehmen. Jeff Bezos ist bekanntlich kein Mann, der gerne verliert. Der Kauf des Bio-Supermarktkette Whole Foods 2017 und der damit vollzogene Einstieg in den stationären Einzelhandel war bereits ein erster Warnschuss in Richtung Walmart.