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Studie von PwC So abhängig sind die Dax-Konzerne von Amerika

Stand: 07.12.2017, 11:42 Uhr

Die US-Steuerreform stößt auf scharfe Kritik der deutschen Wirtschaft, weil sie ausländische Unternehmen benachteilige. Erstmals zeigt nun eine Studie, wie abhängig deutsche Konzerne vom amerikanischen Markt sind.

Wie eine Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC ergab, erwirtschaften zwölf Dax-Industrieunternehmen einen größeren Umsatz in den Vereinigten Staaten als hierzulande. An führender Stelle steht dabei der Gesundheitskonzern Fresenius und die Deutsche Telekom. Sie erzielen fast die die Hälfte ihrer Erlöse in den Vereinigten Staaten.

Diese Abhängigkeit erklärt sich bei Fresenius durch die Dialyse-Tochter FMC (Fresenius Medical Care). Sie macht 75 Prozent ihrer Gesamtumsätze im US-Geschäft. Dass auch die Telekom in diesem Ranking mit einem Umsatzanteil aus den USA von 46 Prozent einen Spitzenplatz einnimmt, liegt an der Tochter T-Mobile US. Sie agiert äußerst erfolgreich und hat in den letzten Jahren ihren Marktanteil im US-Markt kontinuierlich ausgebaut.

Schrumpfender Anteil aus Deutschland

Zur Liste der Dax-Firmen mit einem Umsatzanteil in den Vereinigten Staaten von mehr als 30 Prozent gehört auch die Softwareschmiede SAP. Im vergangenen Jahr erzielte SAP 32 Prozent seiner Gesamteinnahmen von 22,1 Milliarden Euro in den USA. Nur 14 Prozent stammten aus Deutschland.

Überdurchschnittlich groß ist die Abhängigkeit vom amerikanischen Markt auch bei Linde (27 Prozent des Gesamtumsatzes kamen 2016 aus den USA) und dem Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck (24 Prozent). Auffällig ist, dass beide Firmen lediglich sieben Prozent ihrer Erlöse in Deutschland erzielten.

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Deutsche Profiteure der US-Steuerreform US-Töchter und -Werke machen's möglich

<b>FMC</b><br />Als einer der wenigen deutschen Großkonzerne dürfte der Dialyse-Spezialist FMC praktisch die kompletten Effekte der Steuerreform in den USA mitnehmen. Kein Wunder: Die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius macht 75 Prozent ihrer Gesamtumsätze im US-Geschäft. Und dank der Dialyse-Dienste und -Kliniken entstehen diese Erlöse auch direkt im Land.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

FMC
Als einer der wenigen deutschen Großkonzerne dürfte der Dialyse-Spezialist FMC praktisch die kompletten Effekte der Steuerreform in den USA mitnehmen. Kein Wunder: Die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius macht 75 Prozent ihrer Gesamtumsätze im US-Geschäft. Und dank der Dialyse-Dienste und -Kliniken entstehen diese Erlöse auch direkt im Land.

Zu den anderen Dax-Firmen, die mehr Umsatz in den USA gemacht haben als in Deutschland, gehören Daimler (26 Prozent in den USA, 15 Prozent hierzulande), Bayer (24 Prozent USA, 10 Prozent Deutschland), HeidelbergCement (22 Prozent USA, 7 Prozent Deutschland), Henkel (21 Prozent USA, 13 Prozent Deutschland), Siemens (21 Prozent USA, 13 Prozent Deutschland), Adidas (19 Prozent USA, 6 Prozent Deutschland) und BMW (17 Prozent USA, 15 Prozent Deutschland). Untersucht wurden 24 der im Dax gelisteten Unternehmen (ohne die Banken, Versicherungen, Deutsche Börse und Vonovia).

China noch abgeschlagen

Nach Ansicht von Klaus-Peter Gushurst, Mitglied der Geschäftsführung von PwC Deutschland, zeigen diese Zahlen die große Bedeutung der Handelsbeziehungen zu den USA für die heimischen Firmen. Eine Beschränkung des Handels mit dem Land hätte deshalb signifikante Auswirkungen für die gesamte deutsche Industrie. Wie wichtig der Handel mit Amerika ist, zeigt auch ein Vergleich mit China: Nur zwei der 30 Dax-Firmen erzielten 2016 einen höheren Umsatz in China als in den USA oder Deutschland: BMW und Infineon.

Anteil des im Ausland erziehlten Umsatzes

Anteil des im Ausland erziehlten Umsatzes. | Bildquelle: PWD, Grafik: boerse.ARD.de

Auffällig ist nach Ansicht von PwC auch, dass die Industrieunternehmen im Dax generell immer globaler aufgestellt sind. So erzielt die Mehrheit der untersuchten Konzerne mindestens 70 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Spitzenreiter ist Fresenius Medical Care mit einer Quote von 98 Prozent, gefolgt von Adidas (94 Prozent) sowie HeidelbergCement, Linde und Merck (je 93 Prozent).

Versorger bilden eine Ausnahme

Lediglich drei der untersuchten 24 Dax-Unternehmen erzielen höhere Umsätze in Deutschland als im Ausland. Dazu zählen ProSiebenSat1 mit 78 Prozent Inlandsumsatz sowie RWE und Eon mit je 57 Prozent. Parallel dazu geht der Inlandsumsatz der untersuchten Dax-Schwergewichte weiter zurück.

Im vergangenen Jahr wurden von den Konzernen insgesamt 241 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland erzielt - 2013 waren es noch 261 Milliarden Euro, ein Rückgang von acht Prozent. Dagegen erwirtschafteten die Dax-Größen 2016 rund 901 Milliarden Euro im Ausland, sieben Prozent mehr als im Jahr 2013.

PwC-Geschäftsführer Gushurst erwartet, dass der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz in den kommenden Jahren weiter zulegen wird. Daraus folgt die Erkenntnis, dass der Erfolg der meisten Dax-Unternehmen mehr denn je von stabilen internationalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen abhängt. Hierbei sei besonders die Pflege der transatlantischen Beziehungen ein wesentlicher Faktor. Wer würde dem widersprechen.

lg

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