Passanten vor der Schweizerischen Nationalbank SNB in Bern

Klumpenrisiko im US-Portfolio reduziert SNB: Hauptsache streuen

Stand: 09.11.2018, 14:35 Uhr

Auf fast vier Milliarden Dollar schätzen Experten die Verluste der Schweizer Nationalbank (SNB) mit ihren US-Aktien im Horrormonat Oktober. Doch die gute Nachricht ist: Es hätte noch schlimmer kommen können.

Die SNB hat nämlich vorgesorgt und ihr Portfolio im dritten Quartal etwas umgebaut. Wie aus den jüngsten bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen hervorgeht, hat sie im dritten Quartal den Bestand an US-Aktien auf 1.280 Millionen Stück reduziert, nach 1.320 Millionen Stück Ende des zweiten Quartals.

Rückblickend war dies eine glückliche Entscheidung. Denn ohne diese Maßnahme wären die im Oktober angefallenen Verluste von geschätzt rund vier Milliarden Dollar noch höher gewesen. Zudem hat der Wertanstieg des Portfolios im dritten Quartal um knapp sieben Prozent auf knapp 90 Milliarden Dollar den leichten Abbau des Bestandes überkompensiert.

Apple-Aktien verkauft

Als klug erwies sich besonders der Abbau von Techaktien, die im Portfolio der SNB besonders übergewichtet waren und noch immer sind. Wie aus den SEC-Dokumenten zu entnehmen ist, hat die SNB besonders den Bestand an Apple-Aktien reduziert, und zwar um gut sechs Prozent auf 15,8 Millionen. Aber auch ihren Bestand an Aktien von Microsoft, Amazon, Alphabet und Facebook hat die Bank um drei bis vier Prozent verringert.

Dabei handelt es sich genau um die Aktien, die während der Turbulenzen im Oktober am heftigsten unter Druck geraten sind. Aus deutscher Sicht ist es zudem überraschend, dass die Techkonzerne Apple, Amazon, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet vier der fünf größten Positionen im SNB-Portfolio ausmachen. Facebook ist nach deutlichen Kursabgaben vom fünften auf den sechsten Platz gefallen.

Techwerte bleiben überrepräsentiert

Die fünf Techwerte machen per Ende September nach wie vor rund 14 Prozent des SNB-Portfolios aus. Allein das Apple-Paket war Ende September rund 3,5 Milliarden Dollar wert.

Auch wenn die zuletzt erlittenen Verluste schmerzlich sein mögen, hat die vorausgegangene Hausse der Techwerte in den letzten Jahren der SNB satte Gewinne beschert. Angesichts der Turbulenzen der vergangenen Wochen und des sich abzeichnenden weltweiten Wirtschaftsabschwungs erscheint es nun nachvollziehbar, das bestehende Klumpenrisiko aus Tech-Aktien zu reduzieren. Zumal der Absturz der Facebook-Aktien im Juli als ein ernster Warnschuss gilt.

Keine aktive Auswahl von Einzelaktien

Die SNB erklärt indes, dass sie ihr Portfolio nicht durch eine aktive Auswahl von Einzelaktien eingehe. Vielmehr verfolge sie eine passive Anlagestrategie, die sich am jeweiligen Leitindex eines Landes orientiere. Zudem machten Technologieaktien in den USA einen großen Anteil der Gewichtung aus.

"Wir verzichten bewusst darauf, einzelne Unternehmen oder Sektoren über- oder unterzugewichten. Wir treten möglichst neutral auf am Markt und nehmen möglichst wenig Einfluss auf das Handelsgeschehen", sagte Dewet Moser, stellvertretendes Mitglied des SNB-Direktoriums, im Juni. Dadurch werde die Anlagepolitik vor politischen Überlegungen abgeschirmt, schreibt die Bank in ihrem Geschäftsbericht.

Der weltweite Aktienbestand der SNB hatte per Ende September einen Wert von 153 Milliarden Franken. Er macht 20 Prozent ihrer gesamten Devisenanlagen aus. 80 Prozent davon sind in Anleihen mit hoher Bonität investiert.

lg