Snapchat-App auf einem Smartphone
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Kurssprung der Aktie Snapchat holt kräftig auf

Stand: 07.02.2018, 11:09 Uhr

Wird das vielleicht doch noch was mit der Foto-App Snapchat? Die US-Börse jedenfalls reagiert euphorisch auf die jüngsten Zahlen der App-Betreiberfirma Snap. Mehr Nutzer und Umsatz als erwartet beflügeln die Fantasie der Investoren.

Fast fühlte man sich an der US-Technologiebörse Nasdaq am Dienstag nach Börsenschluss an den sensationellen Börsengang des Facebook-Konkurrenten von Anfang März 2017 erinnert, als das neue Snap-Papier die Wall Street im Sturm eroberte. Aus dem Stand verhalf der Markt dem Unternehmen seinerzeit schlagartig zu einer Milliardenbewertung.

Von der einstigen Begeisterung ist nach einigen enttäuschenden Zahlenwerken bekanntlich nicht viel geblieben - bis jetzt. Nachbörslich legte das Snap-Papier an der Nyse über 22 Prozent zu und übersprang damit erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder knapp den Ausgabepreis von 17 Dollar.

Mehr Umsatz und User als erwartet

Denn Analysten hatten nicht damit gerechnet, dass der Umsatz im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 72 Prozent auf 285,7 Millionen Dollar steigen würde. Im Mittel waren nur 250 Millionen Dollar prognostiziert worden. Auch die Zahl der täglich aktiven Nutzer der Plattform zog deutlich an. Sie kletterte im Quartal um fünf Prozent auf 187 Millionen. Das war der höchste Zuwachs seit Herbst 2016. Auch der durchschnittliche Umsatz pro User stieg um 31 Prozent auf 1,53 Dollar.

Von schwarzen Zahlen ist der Facebook-Konkurrent aber trotzdem noch weit entfernt, im Gegenteil, der Quartalsverlust verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 350 Millionen Dollar (nach 170 Millionen im Vorjahr). Aber auch diese Zahl fiel besser aus als erwartet.

Snapchat-Gründer und CEO Evan Spiegel

Snapchat-Gründer Evan Spiegel. | Bildquelle: picture alliance / Jae C. Hong/AP/dpa

Die Zahlen zeigten, dass es dem Unternehmen gelinge, die Kosten für neue Nutzer und den Dienst in den Griff zu bekommen, sagte Michael Pachter von Wedbush Securities. Das bereite den Weg, Gewinne zu erwirtschaften. "Es ist noch ein weiter Weg, aber das war ein guter erster Schritt."

Harte Konkurrenz

Die Snapchat-App wendet sich vor allem an jüngere Nutzer unter 30 Jahren. Bekannt wurde die App mit Fotos, die dann nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Zukünftig will sich Snapchat aber mehr als Plattform für Medieninhalte und als Austauschbörse für tägliche Erfahrungen der User positionieren.

Snap-Firmenchef Evan Spiegel führte die besseren Quartalszahlen auf die Überarbeitung der App zurück. Unter anderem seien Probleme mit dem Google-Betriebssystem Android behoben worden. Snap muss sich als attraktive Adresse für Online-Werbung positionieren, der einzigen Einnahmequelle der Portale. Mittlerweile wurde, ähnlich wie bei der Konkurrenz, eine automatisierte Auktionsplattform eingerichtet über die zuletzt 90 Prozent der Werbung verkauft wurden.

Aber der Konkurrenzkampf um das Werbegeld ist hart. Vor allem der mit der Facebook-Tochter Instagram. Diese bietet ähnliche Funktionen wie Snapchat und hat mehr Nutzer. Zudem hat auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg zuletzt die Devise ausgegeben, dass die Plattform mehr als Kommunikationsforum der Menschen untereinander dienen und weniger vorgegebene Formate enthalten soll. Dadurch würde die Plattform für die Menschen und damit auch für Facebook wertvoller.

rm