Starkes Börsendebüt Snapchat-Aktie hebt ab

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Stand: 03.03.2017, 07:32 Uhr

Der größte Tech-Börsengang seit Alibaba ist erfolgreich verlaufen. Die Aktie der Snapchat-Mutter Snap startete mit 24 Dollar klar über dem Ausgabepreis. Händler konnten es kaum fassen.

Am Ende ihres ersten Handelstages kosteten die Snap-Aktien 24,48 Dollar, nachdem sie in der Spitze bis auf 26,05 Dollar gestiegen waren. Gestartet war das Papier 41 Prozent über seinem Ausgabekurs von 17 Dollar.

Händler waren begeistert vom Snap-Börsengang und konnten ihn teilweise auch gar nicht richtig fassen. "Traumstart", sagte einer. Ein anderer ließ sich gar zu der Bemerkung hinreißen, die Welt sei verrückt geworden. Dass der Handel mit Snap erst mit zweistündiger Verspätung begann, war schnell vergessen.

34 Milliarden Dollar Börsenwert

Dabei war zuvor die Preisspanne noch auf 14 bis 16 Dollar abgespeckt worden. Nun wird Snap auf Basis des aktuellen Kurses mit 34 Milliarden Dollar bewertet. Zum Vergleich: Facebook spielte 2012 bei seinem Börsengang 16 Milliarden Dollar ein. In der globalen Perspektive ist das Snap-IPO der größte Börsengang seit Alibaba im Jahr 2014.

Diese hohe Bewertung ist umso überraschender, als Snap keinen Gewinn macht. Im vergangenen Jahr wuchs sogar der Verlust. Der Jahresumsatz sprang zwar von 58,6 auf 404,5 Millionen Dollar, weil das Geschäft mit Werbeanzeigen in Fahrt kam. Die Verluste waren sogar noch höher. Snap verlor im vergangenen Jahr 514,6 Millionen Dollar, nach einem Fehlbetrag von knapp 373 Millionen Dollar 2015.

Aktien ohne Stimmrechte

Das Nutzerwachstum hat sich wegen der scharfen Konkurrenz zu Facebook abgeschwächt. Snapchat hatte demnach im Schlussquartal 2016 im Schnitt rund 158 Millionen User am Tag. Im Vergleich zum dritten Quartal kamen nur noch fünf Millionen Nutzer hinzu.

Anleger akzeptieren zudem, dass sie Aktien ganz ohne Stimmrechte kaufen, weil die Gründer Evan Spiegel (26) und Bobby Murphy (28) die Kontrolle über das Unternehmen behalten wollen. Bei den beiden zusammen liegen fast 90 Prozent der Stimmrechte. Der Börsengang wird sie offiziell zu Multimilliardären machen. Auch frühe Investoren, die zum Teil sehr günstig bei Snapchat einstiegen, werden massiv profitieren.

Snapchat-Gründer und CEO Evan Spiegel

Snapchat-Gründer Evan Spiegel. | Bildquelle: picture alliance/AP Images

Zehnfach überzeichnet

Dennoch war der Börsengang einem Insider zufolge zehnfach überzeichnet. Man hätte die Papiere auch zu einem Preis von 19 Dollar ausgeben können, verlautete aus Kreisen. Man setze aber lieber auf langfristig orientierte Fonds statt Hedgefonds, die schnell wieder verkaufen wollten.

Snapchat startete 2012. Anders als bei WhatsApp - das zu Facebook gehört - werden die versendeten Nachrichten oder Fotos nach einer gewissen Zeit wieder gelöscht, was viele Nutzer zu schätzen wissen. Inzwischen wird die App auch stärker für Kommunikation genutzt und zu einer Plattform für Medieninhalte ausgebaut. Neben der App produziert Snap auch eine tragbare Kamera ("Spectacles") in Form einer Sonnenbrille und bezeichnete sich selbst als "Kamera-Firma".

nb/lg/rtr/dpa