Dunkle Wolken über der Unternehmenszentrale von SMA-Solar in Niestetal
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Reaktion auf Markteinbruch SMA macht China-Geschäft dicht

Stand: 12.12.2018, 11:20 Uhr

Nach zwei Gewinnwarnungen räumt der Solarzulieferer SMA Solar auf. Das nordhessische TecDax-Unternehmen streicht erneut Hunderte Stellen und zieht sich aus dem China-Geschäft zurück.

Auf der letzten Bilanzpresse-Konferenz hatte SMA noch stolz verkündet, dass die China-Tochter profitabel sei. Doch die überraschende Kürzung der Ausbauziele und die Senkung der Einspeisevergütung im Reich der Mitte hat zu neuen Verwerfungen im chinesischen Solarmarkt geführt. Um nicht auf ihren Modulen sitzen zu bleiben, überschwemmten die chinesischen Solarfirmen den Weltmarkt mit Billig-Produkten und verschärften den Preiskampf.

Nun zieht SMA Solar Konsequenzen. Am Mittwochmorgen kündigte der weltweit führende Wechselrichter-Hersteller aus Kassel den Rückzug aus dem China-Geschäft an. Die dortigen Standorte werden aufgegeben. Die Kapazitäten am Hauptstandort in Niestetal bei Kassel sollen besser ausgelastet werden. SMA will die Fixkosten senken. Helfen soll die Auslagerung und Automatisierung von Tätigkeiten.

Jede zehnte Stelle fällt weg

Die Folge: Weltweit fallen mehr als 10 Prozent der rund 3.300 Stellen weg. 425 Jobs werden abgebaut, darunter 100 in Deutschland. Die Jobstreichungen seien unumgänglich und sollen bis 2020 sozialverträglich umgesetzt werden, teilte der Solarzulieferer mit.

Die zwei Mal gesenkte Jahresprognose bekräftigte SMA Solar. Demnach soll 2018 der Umsatz bei 760 bis 780 Millionen Euro liegen. Statt eines Gewinns wird ein operativer Verlust im mittleren bis oberen zweistelligen Millionen-Bereich erwartet.

Wechselrichter alleine reichen nicht mehr

Der neue SMA-Chef Jürgen Reinert, der im Herbst Pierre-Pascal Urbon abgelöst hatte, setzt künftig auf intelligente Energiemanagement-Lösungen. "Nur mit der Herstellung von Wechselrichtern haben wir keine Chance gegen die Billiganbieter", sagte er in der "Hessischen Allgemeine". Der Preisdruck werde weitergehen. Die Zukunft von SMA liege in individuell auf Kunden zugeschnittenen Gesamtpaketen als Energiedienstleister und Datenhändler, bei denen der Wechselrichter auch künftig eine zentrale Rolle spiele. "Die sinnvolle Verknüpfung unterschiedlicher Energiearten wie Wärme, Kälte und Strom sind unsere Stärke. Das können wir besser als andere."

Die Anleger zeigten sich zunächst erfreut über die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen. Doch rasch war der Effekt wieder verpufft. Am späten Vormittag notieren die SMA-Aktien noch knapp im Plus. Seit einem Jahr hat sich der Kurs fast halbiert. Mit 16,32 Euro fiel am Montag die Aktie auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015.

nb