Slack-Gründer Steward Butterfield

Ein Fall für das Kartellrecht? Slack-Boss beschwert sich über Microsoft

Stand: 05.07.2020, 11:11 Uhr

Microsoft sei von der Idee besessen, Slack an den Rand zu drängen, sagte Slack-CEO Stewart Butterfield. Der Bürokommunikations-Dienst rechnet im als unfair empfundenen Wettbewerb mit Microsoft nicht mit einer Unterstützung durch ein US-Kartellverfahren.

Microsoft verteile seine Teams-Software massenhaft kostenlos mit Windows 10 sagte Butterfield in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Trotzdem sei es Microsoft nicht gelungen, sein Unternehmen vom Markt zu fegen. Slack habe derzeit weltweit 122.000 Kunden und verzeichne weiter ein starkes Wachstum.

"Ich glaube, dass Märkte eine Rolle spielen und Wettbewerb gut ist", betonte Butterfield. Und deshalb sei es sehr schwer, festzulegen, wo man eine Grenze ziehen müsse und wo der Staat tatsächlich eingreifen sollte. Sich in den USA für ein Kartellverfahren stark zu machen, sei aber im Grunde eine Zeitverschwendung. "Der Kongress müsste handeln, und es kann Jahre dauern, bis da eine Entscheidung fällt."

Und da ein Votum der Politik mit Sicherheit vor Gerichten angefochten werde, würde vermutlich mehr als ein Jahrzehnt verstreichen, bevor Microsoft in die Schranken gewiesen werde.

"Scharfe Ellbogen"

Im Vergleich zu den Zeiten, in denen Microsoft im "Browserkrieg" seinen Wettbewerber Netscape auch mit umstrittenen Maßnahmen niedergerungen habe, sei der Konzern aber inzwischen "durch eine wärmere und freundlichere Kultur geprägt", sagte Butterfield. Obwohl man Slack in Microsoft-Pressemitteilungen diskreditiert habe. "Microsoft-CEO Satya Nadella ist eine großartige Person - aber man wird auch nicht Chef dieses Konzerns, wenn man keine scharfen Ellbogen besitzt."

Microsoft entgegnet, ihre Software Teams werde bei Windows 10 nicht standardmäßig installiert, weder in den Versionen für Privatanwender noch bei den sogenannten Commercial-Lizenzen für gewerbliche Kunden. "Grundsätzlich kann aber jeder PC-Hersteller natürlich Microsoft-365-Anwendungen oder andere Programme installieren."

Neuer Microsoft-Chef Satya Nadella

Neuer Microsoft-Chef Satya Nadella. | Bildquelle: Unternehmen

"Rückenwind und Gegenwind gleichzeitig"

Slack steigerte zuletzt seinen Umsatz in dem Ende April abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 50 Prozent auf 201,7 Millionen Dollar (179,8 Mio Euro). Allerdings wuchs Slack auch schon vorher mit ähnlichem Tempo. Investoren hatten erwartet, dass die Heimarbeit und das Lernen zu Hause in der Corona-Krise das Geschäft der Firma noch stärker ankurbeln. Für das laufende Vierteljahr stellte Slack ein Umsatzplus von bis zu 44 Prozent in Aussicht.

Butterfield sagte, Slack habe in der Corona-Krise auf der einen Seite viele neue Kunden gewonnen. Auf der anderen Seite schlage der Einbruch in der Wirtschaft auch auf die Pläne durch, Slack in Unternehmen als Kommunikationsplattform breit auszurollen. "Wir haben es deshalb mit Rückenwind und Gegenwind gleichzeitig zu tun, der bei den Finanzergebnissen zu Turbulenzen führt."

ts/dpa