Naomi Osaka - Nissin-Werbung und Foto

Skandal um Werbefilm mit Tennisstar Osaka Nissin handelt sich mächtig Ärger ein

von Michelle Goddemeier

Stand: 25.01.2019, 13:33 Uhr

Der japanische Nudelhersteller Nissin musste einen enormen Shitstorm einstecken. In einem animierten Werbefilm zeigte das Unternehmen den Tennisstar Naomi Osaka mit einer deutlich helleren Haut. Das ließ die Anleger nicht kalt.

Mit der Tennisspielerin Naomi Osaka erlebt Japan gerade goldene Zeiten. Im letzten Jahr war Osaka die erste Japanerin, die ein Grand-Slam-Turnier gewann. Im Finale der US Open schlug sie die US-Spielerin Serena Williams. Am Samstag spielt sie im Finale der Australian Open um ihren zweiten Grand-Slam-Titel.

Osaka ist die Tochter einer Japanerin und eines Haitianers und wuchs in den USA auf. Sie hat sowohl die japanische als auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Seit ihrem Erfolg ist die Tennisspielerin in Japan ein Star und regelmäßig im Fernsehen zu sehen. So auch für ihren Sponsor, den großen Nudelhersteller Nissin. Das Unternehmen ist bekannt für seine animierten Beiträge.

Aktie fällt nach Shitstorm

Doch nun hat sich die japanische Nudelfirma mit einer Werbung viel Kritik eingehandelt. In dem Werbefilm mit der Tennisspielerin als Zeichentrickfigur wurde Osaka mit einer deutlich helleren Haut dargestellt.

In den sozialen Medien wurde der Werbe-Zeichentrickfilm heiß diskutiert. "Hat sich niemand gefragt, warum ihre Hautfarbe so blass ist?", hieß es in einem Kommentar. "Ihre Identität wurde vollständig ignoriert."

Der Werbefilm erhöhte den Druck: Die Aktie von Nissin fiel infolge des Shitstorms und erreichte am Mittwoch ihren Wochentiefpunkt bei 53,19 Euro - nahe des 52-Wochentiefs, das bei 52,18 Euro liegt.

Entschuldigung stimmt Anleger gnädig

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag meldete sich dann auch Osaka selbst zu Wort. "Ich habe mit ihnen gesprochen. Sie haben sich entschuldigt", sagte sie. Die 21-Jährige fügte hin, sie glaube nicht, dass der Konzern sie absichtlich falsch dargestellt habe. "Aber ich denke auf jeden Fall, dass sie das nächste Mal, wenn sie versuchen, mich darzustellen, mit mir darüber reden sollten", so die Tennisspielerin.

Junge Frau mit Nissin Cup Noodle-Bechern

Nissin Cup Noodle. | Bildquelle: Imago

Nissin-Sprecher Daisuke Okabayashi sagte der Nachrichtenagentur AFP, sein Unternehmen habe vorab das Einverständnis für die Spots bei Osakas Vertretern eingeholt, die Werbung sei aber mittlerweile gestoppt worden. "Wir hatten nie die Absicht, das zu tun, was als 'Whitewashing' bekannt ist, aber da ein Problem daraus wurde, werden wir mehr darauf achten, Diversität bei unseren PR-Aktivitäten zu respektieren", beteuerte der Unternehmenssprecher.

Die Entschuldigung des Unternehmens kam bei den Anlegern gut an und ließ die Aktie in die Höhe schnellen. Die Papiere legten am Donnerstag wieder um mehr als vier Prozent an Wert zu.

Die Geschichte des Nudelherstellers

Es war 1958 als Nissin Foods mit der Erfindung von "Chicken Ramen" weltweit die ersten Instant-Nudeln auf den Markt brachte. 1971 folgte die berühmte "Cup Noodle"-Reihe im praktischen Styroporbecher, der bereits alle Zutaten enthielt. Man musste lediglich Wasser aufgießen und fertig war die Suppe.

Die Produkte sind ein typisches Produkt der Nachkriegszeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg litten die Leute täglich Hunger. Die Menschen mussten lange warten, um an einem Stand etwas zu essen zu bekommen. Das brachte Gründer Momofuku Andō auf die Idee, eine Speise zu entwickeln, die immer zur Verfügung steht und schnell zubereitet werden kann.

Im Jahr 2005 entwickelte Nissin eine weitere Weltneuheit. Der "Space Ram" wurde speziell für Astronauten hergestellt.

Erfolgreichstes Fertiggericht der Welt

Börsennotiert ist das Unternehmen seit 1963, anfangs zunächst in der zweiten Sektion der Aktienbörsen in Tokio und Osaka, seit 1972 in der ersten Sektion der Tokyo Stock Exchange. In den letzten zwanzig Jahren konnte die Aktie stetig zulegen. Im Mai 2010 waren die Papiere noch unter 20 Euro wert, im Mai 2018 zwischenzeitlich schon über 65 Euro.

Gebäude der Tokyo Stock Exchange

Börse in Tokio. | Bildquelle: Imago

Heute werden die Produkte in 80 Ländern verkauft und sind das erfolgreichste Fertiggericht der Welt. Für das Jahr 2018 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von umgerechnet über vier Milliarden Euro. Der Nudelhersteller Nissin hat dieser Erfolgsgeschichte gleich zwei Cup-Noodle-Museen gewidmet: in Yokohama und Osaka. Die Instant-Nudeln wurden 2014 sogar zu einer der innovativsten Erfindungen der japanischen Nachkriegszeit gekürt, noch vor dem Walkman.